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40-Jahre-Jubiläum von Apple

„Noch eine letzte Sache …“

von Christiane Hanna Henkel / 02.04.2016

Schon bald wird Apple seinen futuristischen Hauptsitz eröffnen. Das Gebäude symbolisiert den imposanten Aufstieg seit der Gründung in einer Garage. Die Champagnerkorken knallen dennoch nicht.

Es ist der 1. April 1976. Die Telefone haben Wählscheiben, geschrieben wird auf elektronischen Schreibmaschinen, Plattenspieler stehen in den Wohnzimmern, und am Fernseher laufen nicht mehr als zwei oder drei Sender, und das auch erst ab dem Nachmittag. Es ist der Tag, an dem die Studienabbrecher Steve Jobs und Steve Wozniak in einer Garage in Kalifornien ein Unternehmen gründen, das in den folgenden Jahren mit seinen Laptops, Musikspielern, Handys und Tablets die Revolution der Informationstechnologie in fast jeden Haushalt bringen wird.

Weltweit wertvollster Konzern

Heute ist Apple gemessen am Börsenwert von über 600 Milliarden Dollar das mit Abstand wertvollste Unternehmen der Welt. Es beschäftigt 110.000 Mitarbeiter, erwirtschaftete im letzten Jahr einen Umsatz von 234 Milliarden Dollar und mit 53 Milliarden Dollar einen Gewinn, der der höchste ist, den bisher weltweit ein börsennotiertes Unternehmen ausweisen konnte. Mittlerweile haben sich 200 Milliarden Dollar an Cash-Beständen angehäuft – auch das dürfte ein Rekord in der globalen Unternehmenswelt sein.

Hinter dem Erfolg steht maßgeblich der im Jahr 2011 verstorbene Jobs. Er war besessen von der Idee, dass seine Produkte so leicht zu bedienen sein sollen, dass sie sich wie eine Verlängerung des menschlichen Körpers und Geistes anfühlen. Die größten Neuheiten kündigte Jobs oft erst am Ende einer Konzern-Präsentation an. Er kam dann überraschend auf die Bühne zurück, um unter tosendem Beifall zu sagen: „Noch eine letzte Sache …“ („One last thing .…“). So wurden über die Jahrzehnte fast beiläufig bahnbrechende Neuheiten angekündigt. Zu diesen gehörten etwa der 1977 lancierte Apple II Computer, der Macintosh (1984), der digitale Musikspieler iPod (2001), das Smartphone iPhone (2007) und das Tablet iPad (2010).

Design und Benutzerfreundlichkeit

Apple war technologisch nicht immer der Pionier und auch nicht der Klassenbeste. Das Mobiltelefon etwa war schon 1973 erfunden worden, und die ersten digitalen Musikspieler waren bereits ab Ende der neunziger Jahre auf dem Markt. Und Sony Ericsson hatte bereits im Jahr 2002 mit dem P 800 ein Smartphone lanciert. Aber wie kaum ein anderes Unternehmen verstand es Apple, die Technologie derart zu gestalten und einzusetzen, dass sie ästhetisch ansprechend, benutzerfreundlich und nahezu intuitiv erschließbar war.

Die einladende Benutzeroberfläche der Macintoshs etwa hatte nichts mehr vom abschreckenden Äußern des auf schwarzem Hintergrund blinkenden grünen Cursors der PC. Der digitale Musikspieler iPod hatte nicht nur ein elegantes Design, er war auch kinderleicht zu bedienen; über den iTunes-Store machte Apple zudem digitale Musik legal zugänglich. Oder mit anderen Worten: Apple hat in puncto Design und Benutzerfreundlichkeit einen neuen Standard gesetzt und zudem ganze Produktkategorien definiert. Gleichzeitig gelang es Jobs, die Wertschöpfungskette äußerst effizient zu organisieren. Dank einer vollständig an Dritte ausgelagerten Produktion in Kombination mit einer dennoch bis ins Detail von Apple kontrollierten Supply-Chain kann der Konzern die am Markt zu Premiumpreisen verkauften Produkte vergleichsweise günstig herstellen lassen. Kaum ein Konzern schafft den Spagat zwischen Qualität und Kosten so gekonnt wie Apple. Experten schätzen, dass Apple im letzten Jahr die Hälfte des weltweiten Smartphone-Umsatzes auf sich vereinigt, aber damit fast 90 Prozent der weltweit mit diesen Handys erzielten Gewinne eingefahren hat.

Und es ist diese enorme Profitabilität vor allem des iPhones, die Apple auch am Kapitalmarkt zu einem Star gemacht hat: In den letzten zehn Jahren, und damit ungefähr seit der Lancierung des iPhones, ist der Kurs der Apple-Aktien geradezu explodiert, und zwar um 1.175 Prozent; der Gesamtmarkt legte in dem Zeitraum um 123 Prozent zu. Es gibt kaum institutionelle Investoren, die nicht Apple-Valoren im Portefeuille hätten. Zudem ist über staatliche oder unternehmenseigene Pensionsfonds in Europa und in den USA fast jeder Bürger indirekt Aktionär des Unternehmens aus Cupertino.

Wo bleibt die neue Revolution?

Apple hat sich seit dem Tod von Jobs und der Übernahme des Ruders durch seinen langjährigen COO Tim Cook in vielen Facetten verändert. Das Unternehmen zahlt nun Dividenden und versucht sich in gesellschaftspolitischen Belangen zu engagieren, wie etwa für die Gleichstellung von Minderheiten und den Datenschutz. Auch ist Apple heute weniger diversifiziert denn je. Der Konzern erzielte im letzten Quartal rund 70 Prozent seines Umsatzes mit dem iPhone, und der Anteil am Gewinn dürfte noch höher ausgefallen sein. Apple versteht es zwar bestens, den Lebenszyklus des iPhones durch immer neue Modelle und ein breites um das Handy gruppiertes Dienstleistungsspektrum zu verlängern. Doch es stellt sich mittlerweile die Frage, wie lange diese Strategie noch trägt. An Apples vierzigstem Geburtstag warten seine Kunden und Aktionäre denn auch sehnsüchtig darauf, dass Cook nochmals auf die Bühne zurückkehrt mit den Worten: „Noch eine letzte Sache …“