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Öl reißt Währungen im Osten mit

von Benjamin Triebe / 29.12.2015

Im Osten sind fixe Wechselkurse kaum noch zu verteidigen. Russlands Rubel steht nahe dem Rekordtief, Aserbaidschans Manat ist kollabiert: Der tiefe Erdölpreis schwächt die Devisen im postsowjetischen Raum.

Die Schwäche des Erdölpreises reißt die Währungen großer Produzenten, namentlich in der ehemaligen Sowjetunion, in die Tiefe. Der Rubel verlor am Montag weiter an Boden und fiel zum Dollar auf den tiefsten Stand des Jahres. Er hielt sich nur hauchdünn über dem Allzeittief, das er während der Währungsturbulenzen im Dezember 2014 erreicht hatte. Ein Dollar war zeitweise über 72 Rubel wert, ein Plus von knapp 3 Prozent. Der Euro gewann in ähnlichem Ausmaß und notierte bei knapp 80 Rubel.

Immer im Dezember

Wie bereits vor rund einem Jahr hat sich ein Umfeld gebildet, in dem die Bewegungen des Erdölpreises relativ große Auswirkungen haben können: Der Handel am russischen Devisenmarkt ist dünn, und die gen Jahresende üblichen Überweisungen der Konzerne zur Deckung ihrer Steuerschulden lassen nach. Schlecht auf die Marktstimmung könnte sich auch eine neue Auflage ausgewirkt haben, wonach Kunden von Banken und Wechselstuben beim Tauschen von Geldbeträgen detailliertere Angaben zu Person und Verwendungszweck machen müssen. Jedenfalls blieb die Tageskorrektur des Preises für die Nordseesorte Brent am Montag von zeitweilig über 3 Prozent auf unter 37 Dollar je Fass nicht folgenlos.

Russland ist mit einer Förderung von derzeit 10,7 Mio. Fass pro Tag neben Saudi-Arabien der größte Produzent. An diese Volumina reicht das am Kaspischen Meer gelegene Aserbaidschan mit rund 800.000 Fass pro Tag nicht heran, aber die Wirtschaft des kleinen Landes ist noch weniger diversifiziert. Vergangene Woche veranlasste der Preiszerfall Aserbaidschan zu einem radikalen Schritt: Es gab die Landeswährung Manat frei, die daraufhin an einem Tag zum Dollar etwa die Hälfte an Wert verlor.

Aserbaidschan ist nach Russland und Kasachstan der dritte Erdölexporteur im postsowjetischen Raum, der seine Währungsreserven nicht mehr für die Fixierung einer überbewerteten Valuta an den Dollar oder einen Währungskorb aufbrauchen möchte. Russland gab den Rubel im November 2014 frei. Aserbaidschan versuchte sich im Frühjahr 2015 mit einer Abwertung von einem Drittel zum Dollar zu helfen, ähnlich wie dies Kasachstan ein Jahr zuvor probiert hatte. Doch Astana musste schließlich diesen August kapitulieren; nun auch Baku. Allerdings greifen die Zentralbanken der russischen Nachbarländer noch opportunistisch in den Markt ein, wenn sie es möchten.

Großer Vorteil, große Risiken

Der aserbaidschanische Manat hält sich seit dem Kollaps relativ stabil. Ein Dollar ist rund 1,56 Manat wert, zuvor waren es 1,05 Manat. Der Tenge, die Währung des zweitgrößten exsowjetischen Ölproduzenten Kasachstan, steht bei schwachen 330 Tenge je Dollar. Vor einem Jahr erhielt man für einen Dollar noch rund 180 Tenge. Die Korrekturen haben für die Länder einen großen Vorteil, denn sie dämpfen den Einnahmeverlust aus den in Dollar abgewickelten Ölverkäufen. Auf der anderen Seite schlägt sich die schwache Währung unter anderem in steigenden Importpreisen und einer hohen Teuerung nieder, was die Volkswirtschaften zusätzlich belastet. Diese Erfahrung haben Moskau und Astana bereits gemacht, Baku steht sie noch bevor.