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OECD-Studie

Österreicher zählen zu den Pensionsweltmeistern

von Leopold Stefan / 02.12.2015

Die OECD hat am Dienstag ihre aktuelle Pensionsstudie präsentiert. Darin bestätigt sich die mangelnde Nachhaltigkeit der österreichischen Altersvorsorge, die in den vergangenen Wochen bereits für heftige Diskussion gesorgt hat. Das Wichtigste kurz zusammengefasst:

Österreicher bleiben im internationalen Vergleich beinahe am längsten im Ruhestand, wie die aktuelle Pensionsstudie der OECD zeigt. Frauen beziehen hierzulande ihre Pension im Schnitt für 25,4 Jahre, Männer 19,9. Nur die Französinnen und Belgierinnen verbringen mehr Zeit im Ruhestand – die Männer belegen den siebenten Platz. Das verdanken die Österreicher aber nicht einem besonders langen Leben, denn die hiesige Lebenserwartung liegt sowohl bei Männern (82,2), als auch bei Frauen(85,8) fast genau im OECD-Schnitt. Dafür treten Österreicher um 2,7 Jahre früher aus dem Arbeitsleben aus als der OECD-Schnitt.

Bei der Arbeitsmarktbeteiligung der 55- bis 64-Jährigen konnte sich Österreich zwar stark verbessern, liegt aber deutlich unter dem OECD-Schnitt. Spitzenreiter ist Island. In dem Inselstaat sind sogar über die Hälfte der 65- bis 69-Jährigen noch aktiv. Auf dem zweiten Platz rangieren hier die Schweizer, wo ein Pensionsbezug unabhängig von einer weiteren Erwerbstätigkeit möglich ist.

Mit einer Nettoersatzrate der Durchschnittsverdiener von über 90 Prozent liegt Österreich auch im Spitzenfeld der verglichenen Länder. Dabei wird der gesamte Pensionsanspruch als Anteil des durchschnittlichen Nettolohns betrachtet. Eine Nettoersatzrate von 100 Prozent würde demnach bedeuten, dass man in der Pension genau so viel bekommt, wie man davor verdient hat.

Eine hohe Nettoersatzrate ist nicht unbedingt ein Ruhmesblatt. Während die Schweiz oder Deutschland eine Nettoersatzrate von unter 50 Prozent aufweisen, führen die Türkei und Indien mit Werten über 100 Prozent das Feld an. Eine hohe Nettoersatzrate ist oft ein Anzeichen dafür, dass Löhne deutlich stärker durch Steuern und Abgaben belastet sind als Pensionen. Das entspricht einer Umverteilung von Jungen zu Alten.

Die staatlichen Pensionsausgaben, inklusive der Bundeszuschüsse und Beamtenpensionen, sollen in Österreich bis zum Jahr 2060 auf 14,4 Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigen (derzeit unter 13,9 Prozent). Im Schnitt der OECD-Länder ist ein Anstieg von 9,0 auf 11,3 Prozent prognostiziert. BIP-Prognosen auf so lange Zeit sind allerdings mit Vorsicht zu genießen.

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