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Walkthrough

Österreichs „eiserne goldene Reserve“ kehrt zurück

von Lukas Sustala / 11.12.2015

Die Oesterreichische Nationalbank hat den ersten Teil seiner Goldreserven nach Wien geholt. Der 90-Millionen-Euro-Risikokapitalfonds der Speedinvest ist gleichzeitig zu klein und zu groß für Österreich. Und in China ist ein Milliardär abgängig. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Gold wieder „zu Hause“. Die Oesterreichische Nationalbank hat den ersten Teil ihrer Goldreserven aus London einfliegen lassen. 15 der 280 Tonnen lagern nun wieder im Goldtresorraum der Nationalbank. „Gold hat die Funktion einer eisernen oder goldenen Reserve“, sagt der Gouverneur der OeNB, Ewald Nowotny, mit Verweis auf den internationalen Trend, dass Zentralbanken den Goldbestand wieder selbst lagern, anstatt ihn großteils auf internationalen Handelsplätzen in London oder New York zu horten. Dass es sich bei der Rückholung allerdings um ein „Weihnachtsgeschenk“ handeln soll, wie Nowotny meint, ist eine Übertreibung. Das Gold liegt in Wien genauso wenig unterm Weihnachtsbaum, wie es das in London getan hätte.

Ein großer Schritt für Speedinvest, aber ein kleiner für Österreich. 90 Millionen Euro ist die Zahl der Woche in der österreichischen Wirtschaft. So groß ist der zweite Risikokapitalfonds von Speedinvest geworden, eine beachtliche Summe. Und vielleicht dann doch „zu groß“ für das Gründerland Österreich (NZZ.at). Denn für 90 Millionen Euro muss man erst die möglichen Wachstumsperlen identifizieren. Mehr noch: Dass sich Speedinvest vor allem auf Unternehmen in der Frühphase konzentriert, heißt auch, dass das österreichische Defizit bei den Folgefinanzierungen durch große Risikokapitalgeber wohl bestehen bleibt. Es bleibt wohl noch viel zu tun, ehe das Gründerland Realität wird (NZZ.at).

Ölpreis rutscht weiter ab. An den Märkten werden schon die exakten Tiefststände der Krise 2008/2009 aus dem Archiv geholt. 2008 schloss der Ölpreis für ein Fass Brent den schlechtesten Handelstag bei 36,61 Dollar. Am Freitag wurde es teilweise schon um 36,2 Dollar gehandelt. Jeder, der auch nur irgendetwas mit dem Ölgeschäft zu tun hat, spürt den Abwärtssog.

Milliardär in China abgängig. Der „Warren Buffett Chinas“ ist abgängig, berichten chinesische Medien. Wie das Wirtschaftsmagazin Caixin in seinem Internetauftritt berichtete, konnten Angestellte des Konglomerats Fosun International ihren Vorsitzenden Guo Guangchang seit Donnerstagmittag (Ortszeit) nicht mehr erreichen. Der Mischkonzern Fosun und sein ambitionierter Chef Guo Guangchang machten durch spektakuläre Übernahmen Schlagzeilen (NZZ). So kaufte Fosun in einem Milliarden-Deal die Ferienresort-Betreiber Club Med. Außerdem will die Beteiligungsgesellschaft die deutsche Privatbank Hauck & Aufhäuser kaufen. Der Konzern setzte den Handel seiner Aktien an der Börse in Hongkong aus. Dass auf den sozialen Medien über eine Verhaftung von Guo inmitten der staatlich verordneten Anti-Korruptions-Ermittlungen spekuliert wird, hat aber Wertpapiere der Gruppe abstürzen lassen.

Das unnötige Bargeldverbot. Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter und die geldpolitische Debatte so wie das Bargeldverbot. Der Ökonom Charles Blankart zeigt in einem Gastbeitrag, dass die Zentralbanken mit ihrer Zinspolitik in die Zwangslage gekommen sind, mit einem Bargeldverbot aber nicht herauskommen werden (NZZ.at).

Die unnötige Börsennotiz. Ein weiteres Unternehmen verlässt die Wiener Börse. Der Büromöbelhersteller Bene hat das im September beschlossene Squeeze-out heute, Freitag, umgesetzt und die Minderheitsaktionäre ausgeschlossen. Daher gibt es keinen Streubesitz mehr, damit entfällt die Zulassungsvoraussetzung für die Börse.

Free Lunch – Food for Thought

Der seltsame Umsatzsteuerschwund in Österreich (Flassbeck Economics).

Die Chemiekonzerne Dow Chemical und DuPont wollen nun offiziell fusionieren, die Hintergründe zu der Chemie-Verbindung lesen Sie hier (NZZ.at).

Via FTAlphaville: Südafrikas Finanzminister Nhlanhla Nene war für diesen „Fall“ im Live-TV bekannt, jetzt sorgt sein Rauswurf für kräftige Turbulenzen auf dem südafrikanischen Kapitalmarkt und einen Fall der Währung (NZZ).

So sieht es jedenfalls aus, wenn Investoren von einer Abberufung des Finanzministers eines Schwellenlandes negativ überrascht werden:

Der gravierende Webfehler unseres Steuersystems (Die Presse).

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