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Digitalisierung

Open Banking auf dem Vormarsch: Kreditantrag per App

von Andreas Hippin / 10.08.2016

Die britische Wettbewerbsbehörde ruft die Revolution des Bankensektors aus. Smartphone-Apps sollen Banking für Kunden einfacher machen – und sind bereits auf dem Vormarsch.

Die britische Wettbewerbsaufsicht hat laut ihren eigenen Worten den Weg für die „Open Banking revolution“ frei gemacht. Wie die Competition and Markets Authority (CMA) mitteilt, will sie den technologischen Wandel im Retail-Banking beschleunigt vorantreiben.

„Wir reissen die Hürden nieder, die es den etablierten Banken zu leicht gemacht haben, ihre Kunden zu halten“, sagte Alasdair Smith, der für die Untersuchung des Retail-Banking-Marktes verantwortlich zeichnete. Die zentrale Reform sei Open Banking. Sie soll die technischen Veränderungen bringen, die bereits andere Branchen umgekrempelt haben.

Bis Anfang 2018 müssen die Institute einen offenen Standard für Programmierschnittstellen (Application Programming Interfaces, API) einführen, der den Kunden unter anderem ermöglichen soll, ihre Konten bei verschiedenen Instituten mit einer einzigen App auf ihrem Smartphone zu verwalten. Dabei sollen sie in der Lage sein, Mittel zwischen Girokonten und Sparkonten hin und her zu bewegen, um Überziehungszinsen zu vermeiden beziehungsweise von höheren Zinsen für Einlagen profitieren zu können. Zudem soll die neue Technologie Preisvergleiche zwischen den verschiedenen Anbietern vereinfachen. Eine App könnte auch einem potenziellen Kreditgeber die Transaktionsgeschichte eines Mittelständlers zur Verfügung stellen, damit er die Bonität der Firma besser beurteilen kann.

Das Netz ist billiger als Filialen

Für die etablierten Banken ist es aus Kostengründen attraktiv, immer mehr Vorgänge aus der Filiale in den Cyberspace zu verlegen. Auch Bonitätsabfragen und die Überprüfung der Identität der Kunden liessen sich so abwickeln. Standards sind dabei im Interesse aller. Wie einer Studie des Bankenverbandes BBA zu entnehmen ist, stieg die Anzahl der Zahlungen per Smartphone-App 2015 um 54% auf 347 Mio. Transaktionen. Zum Vergleich: Die Zahl der Online-Zahlungen erhöhte sich lediglich um 2% auf 417 Mio. Die Besuche in Bankfilialen gingen dagegen in den vergangenen fünf Jahren um rund einen Drittel zurück.

Zugang mit Fingerabdruck

7 Mio. Kunden der Lloyds Banking Group nutzen ihr Mobiltelefon für Bankgeschäfte. Bis September 2015 registrierten sich 3 Mio. Barclays-Kunden für das mobile Bezahlsystem Pingit. Im Juni luden täglich 4000 Kunden die Mobile-Banking-App von Santander herunter.

Alles in allem wurden im vergangenen Jahr täglich 40 000 Software-Anwendungen dieser Art heruntergeladen – 25% mehr als im Jahr davor. Täglich finden 11 Mio. Log-ins über solche Apps statt, ein Anstieg um 50%. Im Schlussquartal erfolgten fast 80% aller Zahlungen bei Halifax digital, 62% davon per Smartphone oder Tablet. Die Royal Bank of Scotland (RBS) ermöglicht Kunden inzwischen, mobil Kredite oder Kreditkarten zu beantragen oder Kontoüberziehungen zu bewältigen. Erste Apps mit Fingerabdruckerkennung sind bereits auf dem Markt.