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Walkthrough

Pensionen als Stolperstein – und Österreich ist noch nicht „Gründerland“

von Lukas Sustala / 26.01.2016

Die Einsparungen der Bank Austria im Pensionsbereich geraten ins Zwielicht. Wieso bleibt der Ölpreis niedrig? Ist Gründen in Österreich wirklich schon „cool“? Und die Absurdität einer 629-Millionen-Dollar-Spende. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Streit um Bank-Austria-Kosten. Bei der Bank Austria geht es nach dem überraschend schnellen Abgang des CEO Willibald Cernko um Milliarden. Dass die Bank im Eigentum der italienischen UniCredit sparen muss, ist bekannt. Wie berichtet, will die Bank als Teil ihres Sparpakets 3.300 Pensionisten in das ASVG überführen, in das allgemeine Pensionsrecht (NZZ.at). Eine Schlechterstellung der Mitarbeiter wolle die Bank freilich ausgleichen, betonte Cernko noch bei der Präsentation der Pläne im Dezember. Doch die Bank wolle sich mehrere hundert Millionen Euro damit sparen. Der Chef der Pensionsversicherungsanstalt ist aber skeptisch, dass dies erstens schnell – die Bank will die Überführung bis März – und zweitens ohne eigenes Gesetz passieren wird (Ö1). Reinhard Sommer, Sektionsleiter im Sozialministerium, meint zudem kritisch (Trend): „Das ASVG wurde nicht geschrieben, damit sich eine Bank auf Kosten des Steuerzahlers sanieren kann.“ Wie viel sich die Bank Austria effektiv mit dem Pensionswechsel wird sparen können, steht aktuell also noch überhaupt nicht fest.

China (ist) verunsichert. Chinas Aktienmarkt hat am Dienstag einen neuerlichen Bauchfleck hingelegt. Der Shanghai Composite Aktienindex ist um 6,4 Prozent gefallen und liegt damit so niedrig wie seit 2014 nicht mehr (NZZ). Die Unsicherheit in China nimmt mittlerweile schon etwas absurde Züge an. Aus der Financial Times: „,Soros’s war on the renminbi and the Hong Kong dollar cannot possibly succeed — about this there can be no doubt,‘ read a front-page opinion piece by a commerce ministry researcher in the overseas edition of the People’s Daily headlined ,Declaring war on China’s currency? Ha ha‘“ Wenn die staatlichen Medien also öffentlichkeitswirksam Stellung gegen Hedgefondsmanager Georg Soros nehmen, dann ist die Unsicherheit in Peking schon sehr spürbar.

Wie geht es weiter mit dem Öl? China alleine sorgt aber dieser Tage in Europa und den USA nicht mehr für einen Schock. Da lohnt ein Blick auf den Ölpreis schon eher.

Kollege Leopold Stefan hat sich angesehen, warum der Ölpreis aktuell so niedrig ist, und vier Argumente dafür gefunden, dass sie auch weiter niedrig bleiben (NZZ.at).

Dass der Ölpreis die Aktienmärkte aktuell derart stark unter Druck setzt, hat übrigens zu einer interessanten Spreizung geführt. Die Aktienmärkte geben aktuell ein viel pessimistischeres Signal als die PMIs, also die Einkaufsmanagerindizes. Dieses Paradox kann nur auf zwei Arten aufgelöst werden: Entweder die Konjunkturlage und damit die Managerstimmung trübt sich ein, oder die Aktienmärkte erholen sich wieder.

Wie „cool“ ist gründen wirklich? Wer heute die Aussendungen und APA-Meldungen zu den Unternehmensgründungen liest, könnte auf die Idee kommen, dass Österreich bereits das Gründungsland #1 ist. Ein Plus von 4,8 Prozent und dazu der Satz von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl: „Gründen ist cool“. Allein, ganz so euphorisch sollte man aufgrund der Daten dann doch nicht werden. Wahr ist, dass die neue Euphorie bezogen auf Start-ups das schlechte Image der Selbstständigkeit wohl ein wenig zurechtrückt und die Neugründungen 2015 höher als 2014 liegen. Doch nach wie vor sind Unternehmensgründungen in Österreich im internationalen Vergleich eher selten.

Die Weltbank erhebt die Gründungen in Relation zu den Menschen im erwerbsfähigen Alter (15–64 Jahre). Und gemessen an diesem Indikator zeigt sich, dass Österreich vom Ziel „Gründerland #1“ noch weit entfernt ist. Selbst Deutschland käme auf eine gut doppelt so hohe Gründungsrate. Von den 85 Ländern, zu denen die Weltbank bereits Daten aus 2014 hat, kommt Österreich gerade einmal auf den 70. Platz. Bis die Unternehmensgründung nach internationalen Standards auch hierzulande „cool“ ist, dauert es also noch ein bisschen. Vielleicht könnte die Durchforstung der streng reglementierten Gewerbeordnung Abhilfe schaffen (Agenda Austria).

Bürokratieabbau, absurd. Eine Liberalisierung der Gewerbeordnung wird aber selbst von Wirtschaftsvertretern hierzulande nur selten ins Treffen geführt. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner haben am Montag ihre Vorschläge zum Abbau der Bürokratie in Österreich präsentiert. Die Vorschläge kommen dabei eher handzahm daher, die große „Entbürokratisierung“ sieht wohl anders aus (NZZ.at).

Inspirationen – Food for Thought

„Man muss von diesem Denken weg, dass ein Unternehmer ein Kapitalist ist, der jeden ausbeutet.“ (TrendingTopics).

Bausparkassen kündigen nun auch in Österreich hoch verzinste Altverträge (Der Standard).

Solche Spenden möchte man haben. Die politische Krise in Malaysia hat am Dienstag eine skurrile Wendung genommen. Die knapp 629 Millionen Dollar, die auf dem privaten Konto des Premierministers gelandet sind, seien nur eine „Spende“ des saudischen Königshauses gewesen (Welt).

Weil es gerade wieder die Runde macht: In diesem Ranking von Bloomberg zu den innovativsten Volkswirtschaften der Welt ist Österreich deutlich aufgestiegen, einzig bei den Start-ups hinkt man hinterher (Bloomberg).

Zentralbanker aufgepasst: Vielleicht lohnt es sich doch, gegen Vermögenspreisblasen vorzugehen.

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