REUTERS/Leonhard Foeger

Walkthrough

Pensionsalter rauf, Rohstoffpreise runter

von Lukas Sustala / 09.12.2015

Der Streit um die Pensionen und ihre Sicherheit geht in die nächste Runde. Die Rohstoffpreise rutschen erneut ab. Und die OeNB liefert eine optimistische Prognose. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Pensionen und Provokationen. Das Expertenpapier zur Pensionssicherung liegt vor, und es enthält altbewährte Spaltpilze für die Große Koalition. Denn die Experten erwarten nicht, dass die bis dato eingeschlagenen Reformen auch genug bringen. So empfehlen die Experten in dem Papier für das Finanzministerium einen Pensionsautomatismus, also ein steigendes Pensionsantrittsalter bei steigender Lebenserwartung (Ö1). Das ist bekanntlich für die SPÖ ein rotes Tuch. Hans Jörg Schelling spricht weniger gern von einem Pensionsautomatismus, sondern von einem „Gerechtigkeitsmechanismus“. Nach dem jüngsten Gezerre um das Mittelfristgutachten der Pensionskommission zeigt sich aber, dass die Koalition in Sachen Pensionen noch nicht fertig gestritten hat (NZZ.at).

Rohstoffpreise rutschen auf neue Tiefststände. Öl, Kupfer, Nickel und Co. sind in den vergangenen Tagen wieder deutlich günstiger geworden, der Rohstoffindex von Goldman Sachs notiert auf dem tiefsten Stand seit 2009. Ein Blick auf die Aktien der Rohstoffkonzerne zeigt, dass damit auch die Sorgen der Aktionäre vor Dividendenkürzungen und hohen Verlusten steigen (FT). Ein Fass Rohöl der Marke Brent kostet aktuell um die 40 Dollar und ist damit ungefähr so günstig wie im März 2009, mitten in der Finanzkrise. Alleine in den vergangenen drei Jahren haben sich Rohstoffpreise wie für Öl oder Nickel halbiert, aber auch die Preise für Kupfer oder Kohle sind deutlich niedriger als noch 2012 oder 2013.

OeNB bleibt optimistisch. Die Oesterreichische Nationalbank hat ihre Wirtschaftsprognose am Mittwoch aktualisiert (OeNB). Die Ökonomen der Zentralbank bleiben dabei höchst optimistisch, trotz der jüngsten Anzeichen der etwas schwächeren internationalen Konjunktur. Die OeNB erwartet 2016 fast zwei Prozent Wachstum, genauer gesagt sind es 1,9 Prozent. Die gute Prognose hängt vor allem an den steigenden Einkommen im Zuge der Steuerreform im Jahr 2016. Die OeNB erwartet auch der schlechten Stimmung zum Trotz steigende Investitionsausgaben der Unternehmen – eine Erwartung, die in den vergangenen Jahren des Öfteren leider unerfüllt blieb (NZZ.at).

Erfreuliches für Entrepreneure. Unternehmer, Start-up-Gründer und Erfinder, aufgepasst! Der österreichische Risikokapitalgeber Speedinvest hat 90 Millionen Euro für seinen zweiten Fonds eingesammelt (Gründerszene). Das vorwiegend von Privaten stammende Geld wird bereits früh in Start-ups investiert (Seed-Finanzierung). Zehn bis 15 neue Projekte wollen die Partner von Speedinvest pro Jahr finanzieren, auch Follow-up-Investments sind geplant. Wenn die drei Säulen für eine erfolgreiche Gründerkultur Talente, Kapital und Kultur sind, wird zumindest eine Säule auf ein breiteres Fundament gestellt (NZZ.at). Es wird aber trotzdem wohl noch etwas dauern, bis wir uns über die erste Milliardenspende eines Unternehmers wie Mark Zuckerberg freuen dürfen.

Und was sagt eigentlich die Wirtschaftskammer? Die Zielpunkt-Pleite vergangene Woche hat massive Angriffe auf den Eigentümer Georg Pfeiffer zur Folge gehabt, die wir auf NZZ.at mehrfach thematisiert haben. Doch die Wirtschaftskammer scheint sich angesichts von so viel Unternehmer-Bashing kaum aus der Deckung zu trauen. Man könnte nun meinen, dass das nicht schlimm ist, denn jeder Unternehmer soll sich gefälligst selbst um seine Publicity kümmern. Matthäus Kattinger spricht einen wunden Punkt an, wenn er schreibt (NZZ.at): „So aber muss der neutrale Beobachter angesichts der breitflächigen Vorverurteilung Herrn Pfeiffers seitens der Arbeitnehmervertretungen (inklusive des alles andere als unabhängigen Sozialministers) und der meisten Medien (an die sozialen Netzwerke gar nicht zu denken) annehmen, da wird schon was dran sein, wenn nicht einmal die Unternehmervertretung was dazu sagt. Da wird einem schnell klar, warum bei den Unternehmen der Frust über die Zwangsmitgliedschaft so groß ist.

Free Lunch – Food for Thought

Wie Supercomputer die Wall Street mit dem Versprechen höherer Renditen anlocken (Bloomberg).

Die Restrukturierung im Bankensektor setzt sich fort, Morgan Stanley streicht 1.200 Stellen (NZZ).

Das aktuelle Quarterly Review der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zeigt vor allem eines: Die Risiken der lockeren Geldpolitik sind so groß, wie die Zinsen niedrig sind (BIS).

In China werden dieses Jahr mehr Elektro-Autos verkauft als in den USA.

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