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Walkthrough

Prinzip Hoffnung bei Hypo – ansonsten regiert die Angst

von Lukas Sustala / 20.01.2016

Das Angebot für die Heta-Gläubiger kommt am Donnerstag und soll helfen, rund 3,3 Milliarden Euro zu „ersparen“. Die Märkte haben am Mittwoch erneut einen tiefroten Tag erlebt. Der IWF ist in der Flüchtlingsfrage sehr optimistisch. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

Kärnten hofft auf Heta-Gläubiger. Am Donnerstag legt der Kärntner Ausgleichszahlungs-Fonds sein Angebot für die Heta-Gläubiger vor. Die Schulden der Skandalbank Hypo Alpe Adria sollen mit Abschlägen von Pensionsfonds und Versicherungen zurückgekauft werden, damit sich Kärnten und der Bund zumindest drei Milliarden Euro ersparen (NZZ.at). Auf diese Summe kommt, wer die angebotene Quote (75 Prozent für vor-, 30 Prozent für nachrangige Gläubiger) über das Schuldenprofil der Heta legt.

Die genauen Konditionen für die Gläubiger folgen noch. Das riskante Manöver dürfte aber bei großen Gläubigergruppen auf wenig Gegenliebe stoßen (NZZ.at). Das ändert sich auch nicht dadurch, dass die Anleihenkurse der Heta in einer ersten Reaktion gestiegen sind. Unterstellt werden bei dem Angebot, dass beim Verkauf der Kredite und Wertpapiere der Heta (die „Recovery“) 7,8 Milliarden Euro zusammenkommen.

Die Märkte bleiben extrem angespannt. Am Mittwoch ist passiert, was in den vergangenen Wochen immer wieder passiert ist. Risikopapiere wurden regelrecht ausverkauft. Es sind die Albtraumszenarien für den Ölpreis, die Aktionäre und Investoren umtreiben:

Aber diese Ölpreis-Ängste setzen sich ja logischerweise fort. Wenn Öl mit 28 Dollar so undenkbar günstig ist, wird das Erdölproduzenten wie Russland massiv unter Druck setzen. Und so verwundert es nicht, dass der russische Rubel kräftig abwertet und aktuell für einen Dollar mehr als 80 Rubel fällig sind. Aber hier muss man nicht stehen bleiben. In Russland ist es gerade die Raiffeisen Bank International, die stark engagiert ist. Und so lässt sich am Aktienkurs der RBI auch die Gravitation des fallenden Ölpreises ablesen.

Mit knapp elf Euro ist die RBI-Aktie 55 Prozent billiger als zu Jahresbeginn 2014, Öl und der russische Rubel sind um 75 und 60 Prozent in dem Zeitraum gefallen. So sehen Bärenmärkte aus.

Dieser Tage halten sich offenbar alle an die negative Sicht auf den Öl-Crash: Billiges Öl ist eher Panik-Auslöser als Steuersenkung auf Kosten von Saudi-Arabien. Beim Economist kann man den Pessimismus nachhören.

IWF: Alles nicht so schlimm. Ökonomen des Internationalen Währungsfonds haben ein ziemlich ausführliches Papier zu den ökonomischen Folgen der Flüchtlingskrise verfasst (NZZ.at). Die 50-seitige Studie finden Sie hier. Eine der Kernaussagen ist, dass der Fonds durch die Flüchtlingskrise kaum Verdrängungswettbewerb auf den europäischen Arbeitsmärkten erwartet und die Fluchtbewegung eine Wachstumschance darstellt: „Rapid labor market integration is also key to reducing the net fiscal cost associated with the current inflow of asylum seekers. Indeed, the sooner the refugees gain employment, the more they will help the public finances by paying income tax and social security contributions. Their successful labor market integration will also counter some of the adverse fiscal effects of population aging.“ Im Kern ist der Fonds damit durchaus optimistisch, auch wenn die Herausforderungen – kurzfristig hohe fiskalische Kosten, niedrigere Beschäftigungsquoten selbst bei teuren Integrationsmaßnahmen – groß sind:

Der Rückpass als Synonym für das System Österreich. Kollege Matthäus Kattinger mit einer treffenden Analyse des österreichischen Stillstandes mit vielen Fußballvergleichen (NZZ.at): „Das besonders Schlimme an Österreichs so gefährlichem Patt der institutionellen Leistungsverweigerer liegt wohl darin, dass auf praktisch allen Seiten und Ebenen „der Wurm“ drinnen ist. So wie sich die Sozialpartner im Verhindern der Forderungen der Gegenseite bzw. im Abtauschen auf Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners aufgerieben haben, ist das höchste der Gefühle der Regierungskunst die Verwaltung des Stillstandes. Diesem Doppel-Patt wird durch die Ignoranz der Länder die Krone aufgesetzt; von den Fürstenhöfen der Länder können selbst die darin wahrlich geübten Sozialpartner noch lernen, wie man nicht mehr zeitgemäße und überzogene Pfründe und Privilegien am besten verteidigt.“

Inspirationen – Food for Thought

Bank Austria: Demontage auf Italienisch (Der Standard).

Mittlerweile ist schon Lachs teurer als Rohöl (NZZ.at).

Ein bis dato vor allem theoretisches Risiko ist bei FACC schlagend geworden. Der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer ist nach eigenen Angaben Ziel eines Cyberangriffs geworden, und die Schadenssumme könnte sich auf bis zu 50 Millionen Euro belaufen, was die Aktie von FACC in einer ersten Reaktion mehr als 17 Prozent abstürzen ließ (NZZ.at).

Und etwas sehr, sehr positives zum Schluss.

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