Probleme mit verknöcherter Bürokratie: Die App, die in Schweden noch fehlt

von Rudolf Hermann / 01.10.2016

Schweden sieht sich gern als bevorzugten Spielplatz für internationale Tech-Startups. Doch schwerfällige Ämter drohen den erworbenen guten Ruf zu ruinieren.

Im Zuge der Smartphone-Revolution sind Web-Applikationen, kurz Apps, im modernen Leben allgegenwärtig geworden. Nicht zuletzt in Schweden, wo die technologiebesessene Bevölkerung bisweilen den Eindruck erweckt, etwas nur dann als real zu akzeptieren, wenn es auch eine App dazu gibt. Jedoch müssen Apps auch entwickelt werden. Und kaum jemand, so sind sich schwedische Experten einig, ist darin so gut wie der Pakistaner Tayyab Shabab. Er sei ein „Talent von Weltklasse“, findet man bei der schwedischen Tech-Firma Dynamo, wo Shabab angestellt ist.

Noch angestellt ist. Denn wenn es nach der Migrationsbehörde geht, muss er das Land bald verlassen. Nicht dass er selber sich etwas zuschulden kommen lassen hätte, wohl aber sein vorhergehender schwedischer Arbeitgeber. Dieser hatte es verpasst, ihm die vorgeschriebenen Beiträge auf ein Vorsorgekonto einzuzahlen. Der Fehler wurde zwar erkannt, und die Firma wollte ihn korrigieren. Doch seitens der Behörde hiess es, das sei nicht mehr möglich. Mit der rigorosen Bestimmung soll verhindert werden, dass Arbeitgeber bei billigen Arbeitskräften von ausserhalb der EU Lohnkosten einsparen und „teurere“ Schweden bei der Stellensuche das Nachsehen haben. Gesuchte Softwareentwickler wie Shabab allerdings dürften kaum in diese Niedriglohn-Kategorie fallen.

Gegen den Amtsschimmel hat sich nun die Tech-Branche zu Wort gemeldet. Schweden sehe sich gern als Top-Destination für internationale Startups, sagen Branchenkenner wie etwa der Spotify-Gründer Daniel Ek. Doch dieser Anspruch sei kein Naturgesetz; mit Fällen wie diesem sei der gute Ruf sehr schnell ruiniert. Schweden dürfe nicht zulassen, dass ein verknöcherter und unflexibler Staatsapparat die Nachricht in die Welt hinaussende, dass Spezialisten dem Land besser fernblieben. Auch Politiker meldeten sich zu Wort. Die Angelegenheit sei eine grosse Peinlichkeit, und wenn die geltenden Regeln schlecht seien, dann müsse man sie ändern. Dafür, so scheint es, gibt es allerdings vorläufig keine App. Und wohl bald auch einen Entwickler weniger, der sie erfinden könnte.