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Randnotiz

Prozente haben ausgedient, jetzt geht es um den Basispunkt

von Lukas Sustala / 16.06.2016

Wissen Sie, wie viel Zinsen Sie bekommen, wenn Sie dem Schweizer Staat bis 2049 Geld leihen? Sind es vier Prozent, oder drei, oder nur eins?

Weit gefehlt. Eine Anleihe, die 2049 ausläuft, hat bloß noch eine Rendite von 0,007 Basispunkten.

Wesentliche Teile des Anleihenmarktes sind längst unter die Nulllinie gefallen. Ihre erwartete Rendite bis zum Laufzeitende ist negativ. Ganz lang laufende Staatsanleihen und riskantere Investments werfen zwar noch positive Zinsen ab, aber auch die sind deutlich kleiner geworden. Was als „Sheer Bond Madness“ bezeichnet werden könnte, also als „purer Schuldenwahnsinn“, hat auch noch eine linguistische Konsequenz.

Denn es ist wohl höchste Zeit, sich mit einem Begriff anzufreunden, den vor wenigen Jahren noch kaum jemand verwendet hat: der Basispunkt. Ein Basispunkt ist ein Hundertstel von einem Prozent. Wenn eine Zentralbank etwa ihren Leitzins von einem auf 0,75 Prozent gesenkt haben, haben Finanzanalysten und Ökonomen längst von einer „Zinssenkung von 25 Basispunkten“ gesprochen. Doch für Otto Normalinvestor waren die Nachkommastellen beim Anlegen nie interessant. Mittlerweile aber sind sie das höchste der Gefühle, und daher werden Sie sich auch künftig mit ihrem Bankberater wohl nicht mehr über Prozent unterhalten, wenn es ums Sparen geht, sondern um Basispunkte feilschen. 28 Basispunkte erhält man aktuell laut Daten der Nationalbank für Spareinlagen im Neugeschäft bei einer Laufzeit von bis zu einem Jahr. Für zwei Jahre und längere Bindung sind es 70 Basispunkte.

Wer sprachlich nicht umlernen will und die Rendite weiter in Prozent statt Basispunkten messen will, muss sich wohl auf höhere Risiken wie Aktien oder Unternehmensschulden einlassen.


Kein Zins ist auch keine Lösung