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Facebook

Quartalszahlen: Facebook will die Bilder bewegen

von Christiane Hanna Henkel / 27.07.2016

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, wie erfolgreich Facebook auf den Mobil-Trend gesetzt hat. Doch es arbeitet schon an der nächsten Erfolgsgeschichte.

Der Betreiber des weltweit grössten sozialen Netzwerkes Facebook hat am Mittwoch nach New Yorker Börsenschluss beeindruckende Geschäftszahlen für das zweite Quartal (per Ende Juni) vorgelegt. Das kalifornische Unternehmen konnte den Umsatz im Vergleich mit dem Vorjahresquartal um 59% auf 6,4 Mrd. $ und den Gewinn auf 2,1 Mrd. $ nahezu verdreifachen.

Die Trends hinter den Zahlen

Doch es ist das, was hinter diesen Zahlen steckt, das die Facebook-Aktien nach Börsenschluss um rund 7% hat auf ein neues Rekordhoch hat ansteigen lassen und das Unternehmen mit einem Börsenwert von 370 Mrd. $ zum fünft wertvollsten börsenkotierten US-Konzern (nach Exxon, Microsoft, Alphabet und und dem erstplacierten Apple) hat werden lassen: Facebook schickt sich an, in der zukunftsträchtigen und stark wachsenden über mobile Endgeräte zugänglichen und mehrheitlich mit Bewegtbildern bestückten Medienwelt, zur wichtigsten Plattform für Werbung zu werden.

Oder mit anderen Worten: Wie kaum ein anderes Medien- oder Kommunikationsunternehmen versteht es Facebook, den Mediennutzern dorthin zu folgen, wo sie derzeit hinströmen – nämlich zu übers Smartphone zugänglichen Dienste insbesondere in Soziale Medien – und ihnen dort das zu bieten, was sie schätzen – nämlich unter anderem verstärkt Videos. So haben sich im zweiten Quartal rund 1,7 Milliarden Menschen mindestens einmal im Monat bei Facebook angemeldet; das sind 15% mehr als im Vorjahresquartal. Und über 90% der Facebook-Kunden nutzen das soziale Netzwerk via mobiler Endgeräte wie Smartphones oder Tablets. 84% der von Facebook mit Werbung generierten Einnahmen stammen denn auch aus dem Mobil-Geschäft; im Vorjahresquartal waren es 76% gewesen.

Erst kürzlich hat Facebook mit verschiedenen Medienunternehmen und Künstlern Verträge abgeschlossen, die dem sozialen Netzwerk Uebertragungsrechte für Live-Sendungen sichert. Am Mittwoch erklärte Gründer und Konzernchef Mark Zuckerberg zudem, dass er die Devise ausgegeben habe: „Video first“. Er gehe davon aus, dass in ein paar Jahren Inhalte überwiegend in Form von Videos aufgenommen werden würden. Und wenn Zuckerberg eine Devise ausgibt, dann folgen dem in der Regel Taten. So hatte er vor vier Jahren die Devise „mobile first“ postuliert und Facebook dann auch konsequent so gestalten lassen, dass es sich für die Nutzung auf Smartphones und Tablets besonders eignet.

Facebooks im zweiten Quartal fortgesetzter Erfolg als mobile Werbe- und Kommunikationsplattform dürfte von den Konkurrenten mit einer gewissen Ehrfurcht betrachtet werden. Der Kurznachrichtendienst Twitter etwa hat Mühe damit, mehr und mehr Nutzer anzuziehen und seine Plattform für die Werbung treibende Wirtschaft interessant zu machen. Die jüngst veröffentlichten Quartalszahlen deuteten daraufhin, dass der vor einem Jahr an die Spitze des Unternehmens zurückgekehrte Gründer Jack Dorsey die Zauberformel für den Erfolg noch nicht gefunden hat. Obwohl Twitter rund 300 Millionen Nutzer hat, die mindestens einmal im Monat den Dienst nutzen, konnte das Unternehmen mit Werbung lediglich 602 Mio. $ einnehmen. Twitter will nun verstärkt Nutzer etwa über das Angebot von Video-Sportinhalten anziehen und hat entsprechende Abkommen beispielsweise mit dem amerikanischen Football-Verband NFL abgeschlossen. Die Anleger sind allerdings nicht sehr optimistisch: Twitter ist mit einer Marktkapitalisierung von 11 Mrd. $ nur noch halb so viel wert wie bei Amtsantritt Dorseys vor einem Jahr.

Facebook setzt die Messlatte

Auch der amerikanische Telekommunikationskonzern Verizon wettet auf eine Zukunft, in der Inhalte vorwiegend über kleine, mobile Endgeräte aufgenommen werden. Mit dem Kauf der Internetunternehmen AOL (vor rund einem Jahr) und Yahoo (für 4,8 Mrd. $; Umsatz im letzten Quartal von 504 Mio. $) in dieser Woche versucht der Konzern in eben diesem Bereich Fuss zu fassen. An welcher Messlatte Konkurrenten wie Twitter oder Verizon in diesem neuen Werbemarkt ihren Erfolg zu messen haben, dass hat Facebook am Mittwoch einmal mehr mit seinem Quartalszahlen demonstriert.