Arnd Wiegmann / Reuters

Lufthansa mietet Flugzeuge

Radikalkur bei Air Berlin

von Christoph Eisenring / 28.09.2016

Bis zu 1200 Stellen fallen bei der hochdefizitären Air Berlin weg. Sie will sich künftig auf die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf konzentrieren. 40 Jets werden von der Lufthansa betrieben.

Deutschlands zweitgrösste Airline macht einen Schnitt, um zu überleben. Sie tritt 40 geleaste Flugzeuge ausgerechnet an den Erzrivalen Lufthansa ab. Lufthansa übernimmt die Maschinen im Wet-Lease-Verfahren, mietet also die Flugzeuge inklusive Crew und Wartung. Dies erlaubt es der defizitären Air Berlin, die Überkapazitäten rasch zu verringern. Air Berlin ist am Flughafen Zürich mit 6% der Passagiere die Nummer 2, wenn auch mit deutlichem Abstand zur Swiss mit 55%. Was mit den Slots in Zürich passiert, blieb am Mittwochabend offen. Auf Anfrage teilte die Airline nur mit, sie könne zu einzelnen Strecken zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Angaben machen. Der veröffentlichte Flugplan behalte bis auf weiteres seine Gültigkeit. Das Abkommen mit der Lufthansa tritt denn auch erst auf den Sommerflugplan am 26. März 2017 voll in Kraft.

Zu komplexes Geschäftsmodell

Air Berlin hat seit dem Börsengang im Jahr 2006 kaum Geld verdient. Über die letzten drei Jahre hatten sich die Verluste gar auf 1,14 Mrd. € summiert. Da konnte auch der Grossaktionär Etihad Airways, der 29,2% an Air Berlin hält, nicht mehr länger zuschauen. Air Berlin gab in einer Mitteilung zu, dass das Geschäftsmodell zu komplex gewesen sei und nun stark vereinfacht werden müsse. Man war Netzwerk-Carrier, Billigfluggesellschaft und bediente Touristendestinationen. Künftig wird Air Berlin sich vor allem auf die beiden Knotenpunkte Düsseldorf und Berlin konzentrieren. Von diesen Drehkreuzen aus werden noch 75 Flugzeuge eingesetzt – Ende Juni waren es 144 Jets.

Offen ist somit noch, was mit den Flügen an Touristendestinationen passiert. Vorerst wird dieses Geschäft ausgegliedert, und es werden «strategische Optionen» geprüft. Hier war Anfang Woche spekuliert worden, dass Air Berlin Flugzeuge an Tuifly, die deutsche Fluggesellschaft des Touristikkonzerns Tui, abtreten könnte. Insgesamt wird die Verkleinerung von Air Berlin bis zu 1200 Stellen kosten. Mitte Jahr hatte die Fluggesellschaft 8650 Personen beschäftigt.

Eurowings soll rasch wachsen

Die Lufthansa will mit der Übernahme der 40 Jets von Air Berlin ihre Billigsparte Eurowings stärken, die allein 35 Flugzeuge übernimmt. Der Rest geht an die Tochter Austrian. Eurowings bedient derzeit mit 90 Flugzeugen 130 Destinationen. Es handelt sich um die Antwort der Lufthansa auf die Billigfluggesellschaften Easy Jet und Ryanair, soll Eurowings doch 40% günstiger fliegen als die Muttergesellschaft. Die Lufthansa will die Lücken nicht einfach der Konkurrenz überlassen, die durch einen Rückzug von Air Berlin entstünden.

Ebenfalls am Mittwoch kündigte die Lufthansa an, Brussels Airlines vollständig zu übernehmen. Diese Nachfolgegesellschaft von Sabena war bereits zu 45% im Besitz der Deutschen. Die Lufthansa war bei den Belgiern vor acht Jahren eingestiegen. Brussels Airlines hat 49 Flugzeuge und beschäftigt 3500 Mitarbeiter. Sie steuert auch diverse Ziele in Afrika an. Nicht ganz klar war zunächst, wie Brussels Airlines in die Lufthansa integriert werden soll. Am wahrscheinlichsten ist auch hier, dass mit der Komplettübernahme vor allem Eurowings ausgebaut wird.