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Risikobewertung für Banken

Rating-Agenturen haben sich durchgesetzt

von Jürg Müller / 10.12.2015

Vor einem Jahr hat der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht neue Regeln präsentiert. Mit den Rating-Agenturen sollte radikal gebrochen werden. Nun krebsen die Regulatoren zurück.

An der optimalen Regulierung der Banken wird weiter munter gewerkelt. So hat der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht am Donnerstagmorgen eine neue Runde bei der Überarbeitung des Standardansatzes eingeläutet. Dabei geht es darum, wie viel Eigenkapital kleinere und mittlere Banken vorweisen müssen; Großbanken berechnen ihre Eigenkapitalanforderung normalerweise selber nach dem sogenannten Modellansatz, wobei die beiden Regulierungsansätze teilweise miteinander verknüpft sind.

Misstrauen nach der Krise

Vor einem Jahr wollten die globalen Bankenaufseher mit der Vergangenheit radikal brechen. In der ersten Konsultationsvorlage zu den neuen Regeln haben sie den Einfluss der externen Rating-Agenturen massiv zurückgestutzt. Wenn eine Bank einen Kredit an ein Unternehmen vergibt, sollte neu der Verschuldungsgrad und der Umsatz für die Berechnung der Eigenkapitalanforderung relevant sein. Früher waren die Kredit-Einstufungen von Rating-Agenturen wie Moody’s oder Fitch die regulatorischen Schlüsselgrößen.

Der Bruch mit der bisherigen Praxis wurde von verschiedenen Kommentatoren begrüßt. Hatten doch die externen Rating-Agenturen in der jüngsten Finanzkrise teilweise katastrophal versagt. Doch die relativ krude Abstützung auf die zwei Größen Umsatz und Verschuldungsgrad stieß nicht nur auf Zustimmung. So sollen industriespezifische Kriterien zu wenig berücksichtigt sein, wenn alle Firmen in einen Topf geworfen werden.

Erschwerend kam hinzu, dass auch die Großbanken die Diskussionen um den Standardansatz mit Argusaugen beobachteten. Die Regulatoren haben nämlich die verschiedenen Regulierungsvorhaben verknüpft: Sie wollten gleichzeitig auch Minimalanforderungen („Capital-Floors“) für den von Großbanken verwendeten Modellansatz einführen. Weil sich diese Anforderungen am Standardansatz orientieren, betreffen Änderungen wie die Abkehr von Rating-Agenturen indirekt auch die Großbanken. In der Schweiz haben sich in der Folge auch die UBS und die Credit Suisse über den neuen Standardansatz beklagt.

Noch nicht definitiv

Nun krebst der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht zurück und bringt die externen Rating-Agenturen wieder ins Spiel. In Ländern, die externe Bonitätsbewertungen für die Regulierung zulassen, bestimmen wie früher die Rating-Agenturen die Eigenkapitalanforderungen. Due-Diligence-Anforderungen sollen derweil dafür sorgen, dass Banken sich nicht wieder blind auf Kreditbewertungen abstützen.

Kredite an öffentliche Körperschaften wie beispielsweise Staatsanleihen blieben beim jüngsten Vorschlag der globalen Bankenaufseher ausgeklammert. Allerdings gibt es bei der Risikogewichtung für Hypotheken eine Änderung. Die vor einem Jahr vorgeschlagene Berücksichtigung der Schuldentragfähigkeit eines Hauskäufers wird wieder fallengelassen. Der Belehnungsgrad („loan-to-value Ratio“) soll den zentralen Pfeiler für die Eigenkapitalanforderungen bilden.

Von den neuen Regeln betroffene Institute haben nun drei Monate Zeit, sich zu den Änderungen zu äußern. Gleichzeitig wollen die globalen Bankenaufseher im kommenden Jahr analysieren, wie sich die Anpassungen auf verschiedene ökonomische Größen auswirken. Die Resultate dieser quantitativen Studie dienen dann der Kalibrierung der endgültigen Regulierung.