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Abgasskandal

Razzien bei Renault

von Nikos Tzermias / 14.01.2016

Eine Razzia in den Büros von Renault schürt Unsicherheit. Das Unternehmen bestätigte die Durchsuchung im Zusammenhang mit einer Untersuchung zu Abgaswerten. Nach einem Taucher von über 20 Prozent erholt sich der Aktienkurs wieder etwas. 

Eine Meldung der Gewerkschaft CGT hat am Donnerstag an der Pariser Börse ein Erdbeben ausgelöst und den Kurs des Autokonzerns Renault um über 20 Prozent in die Tiefe stürzen lassen. Im Verlauf des Nachmittags erholte sich die Aktie wieder etwas. Das Syndikat meldete, dass Agenten der Aufsichtsbehörde zur Wahrung des Wettbewerbs, zum Schutz der Konsumenten und zur Verhinderung von Betrügereien (DGCCRF) vor einer Woche mehrere Anlagen von Renault durchsucht und Computer von Managern des Unternehmens beschlagnahmt hätten. Die Razzien fanden laut Angaben der CGT im Engineering-Center in Lardy, im technischen Zentrum in Guyancourt sowie in der Anlage in Plessis-Robinson und am Hauptsitz des Konzerns in Boulogne-Billancourt statt.

Noch unklare Gründe

Renault-Aktie im Sinkflug
Renault-Aktie im Sinkflug

Credits: Factset

An der Börse wurde offenkundig befürchtet, dass Renault ähnlich wie Volkswagen gegen die Abgasnormen verstoßen haben könnte. Solche Bedenken hatte zuvor auch die CGT bekundet. Der genaue Grund für die Razzien blieb allerdings vorerst unklar. Weder die DGCCRF noch Renault fanden sich zu erhellenden Präzisierungen bereit. Renault bestätigte vorerst nur, dass Razzien stattgefunden hätten, und bekräftigte seine Bereitschaft zu einer vollständigen Kooperation mit den Aufsichtsbehörden. Dabei erinnerte der Konzern daran, dass frühere Tests des Umweltministeriums bei Renault keine betrügerische Software wie bei Volkswagen entdeckt hätten.

Diskrepanz Labor – Straße

Renault wie auch PSA Peugeot Citroën hatten schon nach dem Platzen des Skandals bei Volkswagen beteuert, dass bei ihnen keine ähnlichen Betrügereien stattgefunden hätten. Ein Topmanager von Renault räumte Ende letzten Jahres in einem Interview mit Le Figaro bloß ein, dass auch bei französischen Herstellern das Problem bestehe, dass zwischen den im Labor gemessenen und für die Einhaltung der Normen relevanten Abgaswerten und jenen im effektiven Verkehr erhebliche Diskrepanzen bestünden.

Auto-Aktien unter Druck

Die Aktien des französischen Autobauers fielen zeitweise um knapp 23 Prozent auf ein Dreieinhalb-Monate-Tief von 67 Euro. Damit büßte das Unternehmen binnen Stunden rund fünf Milliarden Euro an Börsenwert ein. Am Nachmittag erholte sich der Kurs wieder und lag noch rund 12 Prozent tiefer.

Im Sog des Renault-Kurssturzes bauten die anderen europäischen Autobauer ihre Kursverluste aus. Peugeot lag am frühen Nachmittag acht Prozent im Minus, erholte sich aber, nachdem der Konzern gemeldet hatte, dass bei ihm keine Durchsuchungen stattgefunden hätten. Volkswagen-Aktien verloren 5,3 Prozent, BMW und Daimler-Papiere büßten bis zu 5,6 Prozent ein.