Renditen rutschen weiter: Die Sorgen sind zurück

von Werner Grundlehner / 06.07.2016

Der Brexit hat die Finanzmärkte nach kurzer Beruhigung wieder im Griff. Ob man in sichere Staatsanleihen investieren soll oder nicht – dazu gehen die Meinungen auseinander.

Nach einer gewissen Beruhigung an den Finanzmärkten hat die Unsicherheit zu Wochenbeginn wieder zugenommen. Dazu beigetragen haben dürfte auch der Rücktritt von zwei namhaften Brexit-Befürwortern. Schwer wiegen aber auch die neu aufkommenden Rezessionssorgen und die Ankündigung der Bank of England, die Geldpolitik im Verlauf des Sommers zu lockern. Auch das britische Pfund kam wieder unter Druck und ist auf den tiefsten Stand seit 30 Jahren gefallen.

Sichere Häfen waren wieder gesucht. Die Rendite der zehnjährigen Schweizer Staatsanleihe sank am Dienstag auf ein neues Tiefst von –0,68 Prozent. Am Montag rutschte die Rendite der 50-jährigen Eidgenossen in den Minusbereich. Drei Woche zuvor widerfuhr dies dem 30-jährigen Papier. Noch plädieren gewisse Strategen weiter für Anlage in diese Papiere, denn mit weiter fallenden Renditen lassen sich noch Kursgewinne realisieren. Doch viele Investoren wenden sich auch ab: Denn periodisch und langfristig ist mit einem Anstieg der Renditen und mit Kursverlusten zu rechnen. Ein Renditeanstieg bei zehnjährigen Anleihen um 10 Basispunkte führt zu einem sieben- bis achtmal höheren Kursverlust. In Zeiten ohne Zins ist das ein sehr hoher Wert.

Am Dienstag wagte sich das britische Debt Management Office zum ersten Mal seit dem EU-Referendum an den Kapitalmarkt. Ein fünfjähriges Papier mit einem Volumen von 2,5 Milliarden Pfund wurde platziert. Der Brexit hat die Nachfrage nach britischen Bonds angefacht.

In der Schweiz hat die Pfandbriefzentrale der Schweizerischen Kantonalbanken die günstigen Konditionen genutzt und die bestehenden Emissionen um 1,08 Milliarden Franken aufgestockt, darunter ist eine Nullcoupon-Anleihe mit einer Restlaufzeit von vier Jahren. Die Aktivität im internationalen Franken-Segment bleibt bescheiden. Dieses bereits seit langer Zeit zu beobachtende Phänomen ist durch den Ausbau des QE-Programms der EZB noch verstärkt worden. Der Umstand, dass das Institut auch Unternehmensanleihen aufkauft, hat die Emissionstätigkeit in Euro anschwellen lassen. Beobachter bemängeln, dass die neuen Mittel nicht für Investitionen, sondern für den Aktienrückkauf und die Ablösung bestehender Schulden eingesetzt würden. Die Ausweitung des Programms zeige zudem Nebeneffekte wie ineffiziente Preisbildung und das Fehlen von Liquidität.