Ralph Orlowski / Reuters

Ringen um Monte dei Paschi di Siena: Bankenrettung all’italiana

von Michael Rasch / 29.07.2016

Acht Grossbanken wollen die Kapitalerhöhung der italienischen Problembank garantieren. Die Europäische Zentralbank hat dem Plan zugestimmt. Damit ist eine schwere Krise vorerst umschifft.

Der Zustand des europäischen Bankensektors ist besser als vor einigen Jahren, aber es besteht noch reichlich Luft nach oben. Laut dem Banken-Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) und der Europäischen Zentralbank (EZB), dessen Ergebnisse am späten Freitagabend kurz nach dem amerikanischen Börsenschluss um 22 Uhr europäischer Zeit veröffentlicht wurden, wiesen 51 Banken in der EU und in Norwegen per Ende 2015 eine robuste harte Kernkapitalquote von durchschnittlich 13,2 Prozent (die 37 Institute der Euro-Zone: 13 Prozent) auf.

Die 51 Institute stehen für 70 Prozent der Aktiva von Banken in Europa sowie im Euro-Raum. Beim letzten grossen Banken-Stresstest im Jahr 2014 hatte die Quote noch 11,2 Prozent betragen, und 2011 sind es 9,2 Prozent gewesen. Schweizer Grossbanken nahmen an dem Stresstest nicht teil.

Bedeutung des Kreditrisikos

Durch das Stress-Szenario, bei dem im Kern eine markante Abkühlung der Konjunktur über drei Jahre hinweg durchgespielt wurde, reduzierte sich die robuste harte Kernkapitalquote auf durchschnittlich 9,4 Prozent (Euro-Zone: 9,1 Prozent) per Ende des Jahres 2018. Dies ist noch immer ein akzeptabler Wert. Im Jahr 2014 hatte der Rückgang des Eigenkapitals bei den Banken der Euro-Zone lediglich 2,6 Prozentpunkte betragen, gegenüber 3,9 Punkten in diesem Jahr. Die EZB sieht den Grund dafür in der strengeren Stress-Methodik und im härteren Stress-Szenario gegenüber der vorherigen Prüfung.

Beim diesjährigen Stresstest gab es keine Bewertungen im Sinne von „Bestanden“ oder „Durchgefallen“. Die Ergebnisse fliessen in den „nicht mechanistischen“ kontinuierlichen Aufsichts- und Bewertungsprozess der entsprechenden zuständigen Behörden ein. Die EZB teilte mit, ihre Erwartungen an die Kapitalausstattung der Banken im Euro-Raum sei gegenüber 2015 weitgehend unverändert.

Den grössten Einfluss auf den Rückgang des harten Kernkapitals hatte das Kreditrisiko, welches für alle Banken im Durchschnitt für einen Rückgang des harten Eigenkapitals um 3,7 Prozentpunkte und für die Banken der Euro-Zone um im Durchschnitt 3,8 Prozentpunkte verantwortlich war. Danach folgten etwa gleichauf die Marktrisiken und die operationellen Risiken. Mit einer Ausnahme lag die harte Eigenkapitalquote bei allen Banken über den geforderten 5,5 Prozent. Bei der Ausnahme dürfte es sich um den Monte dei Paschi di Siena aus Italien gehandelt haben.

Private Lösung in Italien

Im Ringen um dringend benötigte Kapitalhilfen für den überschuldeten Monte dei Paschi di Siena ist kurz vor Bekanntgabe der Resultate des europäischen Banken-Stresstests eine Lösung erzielt worden. Der Verwaltungsrat der drittgrössten italienischen Bank stimmte am Freitagabend einem Rettungsplan zu. Die italienische Regierung hatte auf eine private Lösung gedrängt. Denn bei einer staatlichen Rettung hätten nach den neuen EU-Regeln zur Abwicklung von Banken auch die Gläubiger einen Teil ihres Geldes verloren. Doch ein Grossteil der Bankanleihen der Traditionsbank aus der Toskana sind in den Händen von Kleinanlegern, und Renzi hätte ein solches Bail-in politisch kaum überlebt.

Mit dem Rettungsplan dürfte sich die Lage vorerst beruhigen. Die Aktien des MPS, die seit Anfang Jahr an der Mailänder Börse über 75 Prozent verloren hatten, schlossen am Freitag in Erwartung auf eine Einigung mit 6,3 Prozent im Plus. Der Banken-Index legte 3,9 Prozent zu.