RIP Finanzkrise? Die Wall Street feiert ihre Gewinne

von Lukas Sustala / 17.04.2015

Nach den hohen Gewinnen der beiden US-Großbanken Citigroup und Goldman Sachs wird das Ende der Finanzkrise verkündet. Die EZB-Geldpolitik drückt die deutschen Anleihenzinsen durchschnittlich ins Minus. Und PayPal-Gründer Peter Thiel investiert in Berliner Start-ups.

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Überoptimismus, Wall-Street-Edition. Die Finanzkrise ist vorbei. So oder so ähnlich titeln Medien heute nach den kräftigen Gewinnen an der Wall Street. Die Quartalsergebnisse der Investmentbanken legen zumindest nahe, dass die Finanzinstitute in den USA knapp sieben Jahre, nachdem sie am sprichwörtlichen Abgrund standen, wieder prächtig verdienen. Goldman Sachs etwa hat wieder eine Eigenkapitalrendite von 14,7 Prozent, das beste Ergebnis in mehr als vier Jahren. Für die Financial Times Grund genug, ein „Ende der Malaise“ an der Wall Street auszurufen (FT, Paywall). Die hohen Gewinne der Großbanken hängen stark mit der Mischung von rekordhohen Wertpapierpreisen, extrem niedrigen Zinsen und dem Fusionsfieber von Unternehmen zusammen. Allein: Wie viel davon auch nachhaltig ist, steht auf einem anderen Blatt. Denn gerade das Handelsgeschäft ist mit Risiken und viel regulatorischen Anforderungen konfrontiert (NZZ.at).

Negativzinsen, Mainstream-Edition. Das Staatsanleihen-Kaufprogramm der EZB hat dazu beigetragen, dass die durchschnittliche (!) Rendite auf deutsche Staatspapiere auf unter null Prozent gefallen ist (Bloomberg). Man muss nicht der IWF sein, um zu erkennen, dass die Zinsen unter dem Gefrierpunkt für Finanzinvestoren wie Versicherungen an den Grundfesten des Geschäftsmodells wackeln. Wir diskutieren am Montag über die Folgen der europäischen Geldflut in unserem NZZ.at-Club. Anmelden können Sie sich hier.

Überoptimismus, Griechenland-Edition. Ziemlich genau vor einem Jahr hätten Investoren Griechenland am liebsten mit Geld überschüttet. Bei der Rückkehr an den Kapitalmarkt hat Athen drei Milliarden Euro eingesammelt, die Nachfrage hätte damals für 20 Milliarden Euro gereicht. Seit damals hat die Anleihe aber 40 Prozent an Wert verloren. Da werden sich viele freuen, im April 2014 nicht zum Zug gekommen zu sein, etwa das Anleihenteam des britischen Vermögensverwalters M&G, das als „Bond Vigilantes“ bloggt und twittert:

Thiel investiert in Berlin. Der Milliardär und PayPal-Gründer Peter Thiel beteiligt sich erstmals an einem deutschen Finanz-Start-up, mit Wiener Gründern (Welt). Number26 bietet von Berlin aus ein Girokonto für das Smartphone an und hat in der neuen Finanzierungsrunde, an der auch Thiel teilgenommen hat, 10 Millionen Euro eingesammelt.

Bella Italia? Die Hypo Italien dürfte noch deutlich mehr kosten (Der Standard). 300 bis 400 Millionen Euro sollen bei der Italien-Tochter fehlen, die ja nicht in der Abwicklungsgesellschaft Heta steckt, sondern in der HBI Bankenholding. Allerdings könnte auch die Italien-Tochter abgewickelt werden. Bei der aktuellen Überprüfung der Bilanz tun sich aber, wie auch bei der Heta, Löcher auf.

Verlierer des niedrigeren Ölpreises. Die Ölbranche leidet dramatisch unter dem Verfall des Ölpreises. Der Ausrüster Schlumberger hat nun angekündigt, weitere 11.000 Arbeitsplätze zu streichen (Bloomberg). Insgesamt schrumpft der Konzern den Mitarbeiterstand um 15 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres. Insgesamt aber sollten die USA zu den Gewinnern des Ölpreiszerfalls gehören, erwarten die Analysten von Bloomberg New Energy Finance:

Disziplin, gerne für die anderen. Der ehemalige IWF-Chef Rodrigo Rato ist wegen Geldwäscheverdachts verhaftet worden (Manager Magazin). Der Internationale Währungsfonds verordnet in Krisenphasen die vermisste Haushaltsdisziplin, beim Spitzenpersonal vermisst man aber auch so manche Disziplin.

Bernanke, Blogger und Hedgie. Ben Bernanke, Ex-Chef der US-Notenbank Fed, probiert es mit neuen Betätigungsfeldern. Nachdem er ein Blog gestartet hat, berät er nun den Hedgefonds Citadel (NYTimes).

Macht der Kapitalismus dumm? Eine spannende Buchrezension von „Enlightenment 2.0: Restoring Sanity to Our Politics, Our Economy, and Our Lives“ (h/t MarginalRevolution).

Wirtschaftlicher Tumult in der Türkei? Der Ökonom Dani Rodrik schreibt in seinem Blog über die wirtschaftlichen Mythen in der Türkei und darüber, warum das Land vor massiven Herausforderungen steht.