Rubel-Krise erreicht Russlands Banken

von Benjamin Triebe / 23.12.2014

Der Schwarze Dienstag von vergangener Woche hat wohl dazu beigetragen, dass die russische Trust Bank gerettet werden musste, berichtet NZZ-Korrespondent Benjamin Triebe aus Moskau. Gleichzeitig haben die westlichen Sanktionen den Verkauf der Erdölsparte Rosnefts verhindert. 

Die russische Zentralbank, die in diesem Jahr dutzende von kleineren Banken wegen dubioser Geschäftsmodelle geschlossen hat, muss nun ein Kreditinstitut retten. Die Trust Bank, gemessen an den Vermögenswerten etwa die Nummer 30 der extrem zersplitterten Branche, erhält bis zu 30 Milliarden Rubel (453 Millionen Euro), um einen Bankrott abzuwenden. Im öffentlichen Leben ist die Trust Bank präsenter, als es ihr Platz in der Rangliste vermuten lässt: Gemessen am Bestand an Privatkundenguthaben liegt sie landesweit auf Platz 15, und sie fällt besonders mit einem aggressiven Angebot von Konsumkrediten rund um Moskau auf. Prominenteste Werbefigur ist der amerikanische Schauspieler Bruce Willis. Laut russischen Medienberichten wird in Finanzkreisen schon länger über eine schlechte Verfassung der Bank diskutiert. Im Frühjahr und Herbst unternahm sie zwei Kapitalerhöhungen, die undurchsichtig abgewickelt wurden und nicht zu einem echten Zustrom frischen Geldes führten. Die Trust Bank wurde jetzt der Behörde für den Schutz von Kundeneinlagen unterstellt.

Ob das sich abschwächende Wachstum bei Konsumkrediten, das in der ganzen Branche zu beobachten ist, jetzt der Trust Bank das Genick gebrochen hat, ist ungewiss. Denkbar ist auch, dass die jüngst drastisch verteuerten Refinanzierungskonditionen am Interbankenmarkt durchgeschlagen haben. Die Zentralbank hatte vor einer Woche im Kampf gegen den Zerfall des Rubels den Leitzins auf 17 Prozent erhöht. Notenbank und Staat haben ein Stützungspaket geschnürt: Die Notenbank stellt zusätzliche Fremdwährung bereit, die Regulierung der Banken wurde gelockert, und der Staat wird Eigenkapital anbieten. Auch soll der staatliche Einlagenschutz erhöht werden. Analysten wollen dennoch nicht ausschließen, dass einige Banken den Turbulenzen zum Opfer fallen werden. Eine systemische Krise gilt jedoch als unwahrscheinlich.

Behörden untersagen Morgan-Stanley-Deal mit Rosneft

Der Verkauf der Erdölhandelssparte der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley an den russischen Konzern Rosneft ist geplatzt. Wie das weltgrößte börsennotierte Erdölunternehmen am Montag mitteilte, haben die Regulierungsbehörden dem Geschäft ihre Zustimmung verweigert. Laut der Agentur Bloomberg winkte die amerikanische Wettbewerbsbehörde den zu einem ungenannten Preis geplanten Verkauf zwar durch, aber das Komitee für ausländische Investitionen in den Vereinigten Staaten habe sich quergestellt. Es redet bei Transaktionen mit, welche die nationale Sicherheit tangieren können.

Die vom Kreml kontrollierte Rosneft wurde sowohl von Washington wie auch von Brüssel aufgrund der Ukraine-Krise mit Sanktionen belegt. Aus diesem Grund musste der Erdölkonzern bereits eine Exploration mit Exxon Mobil in der Karasee einstellen. Seit dem Sommer machten Gerüchte die Runde, Rosneft müsse das im Dezember 2013 mit Morgan Stanley vereinbarte Geschäft vielleicht abbrechen.

Als Risiko galt unter anderem, dass der russische Konzern nach seinem Ausschluss von den westlichen Kapitalmärkten vielleicht nicht die täglichen internationalen Finanzoperationen abwickeln könnte, die der Erdölhandel erfordert. Morgan Stanleys Sparte umfasst physischen Erdölhandel inklusive Lagerhäusern, eine Handelsabteilung mit knapp 300 Mitarbeitern sowie eine Beteiligung an einer Tankerflotte.