Galaxy Note 7 wird vom Markt genommen

Samsung bekommt die Probleme nicht in Griff

von Patrick Welter / 11.10.2016

Samsung stellt die Produktion seines feuergefährlichen Galaxy Note 7 endgültig
ein. Alle Geräte werden zurückgerufen. Der Fall ist ein bisher beispielloses Debakel im Smartphone-Geschäft.

Samsung Electronics, das koreanische Vorzeigeunternehmen, hat den Verkauf seines Handy-Spitzenmodells Galaxy Note 7 global gestoppt – zum zweiten Mal seit September. Samsung forderte seine Vertriebspartner auf, den Verkauf und Austausch der Handys vorerst einzustellen. Kunden sollen sogar die schon einmal ausgetauschten Geräte ausschalten und vorerst gar nicht mehr nutzen. Samsung Electronics reagierte damit auf Berichte, wonach auch schon ausgetauschte Handys des Typs Galaxy Note 7 in Brand geraten waren. Am Wochenbeginn hatten schon amerikanische und andere Telefonanbieter den Austausch und Verkauf der betroffenen Geräte eingestellt.

Samsung rief alle Kunden erneut auf, ihr Note 7 auszuschalten und es überhaupt nicht mehr zu benutzen – egal ob es sich um ein Original- oder ein Austausch-Gerät handle. Kunden sollten ihr Gerät in die Läden zurückbringen, wo sie es entweder gegen ein Smartphone eines anderen Typs tauschen oder ihr Geld zurückbekommen könnten, hiess es auf der Website des Unternehmens.

Mit dem abermaligen Verkaufsstopp verschärft sich das Desaster für den Elektronikhersteller. Erst im September hatte Samsung mindestens 2,5 Millionen Stück des Handymodells zurückgerufen und begonnen, diese in Geräte mit Akkus eines anderen Zulieferers zu tauschen. Auch solche Geräte sind nach Berichten aus Amerika nun in Brand geraten. Samsung erklärte an Dienstag, es untersuche in Zusammenarbeit mit zuständigen Behörden die neuen Vorfälle noch. Zugleich kündigte das Unternehmen an, Informationen über die Rücknahme der Geräte bereitzustellen. Damit läuft auch der zweite Verkaufsstopp offenbar auf einen Umtausch hinaus.

Beobachter in Südkorea bezweifeln, dass der Technologie-Riese, der auch der weltgrösste Hersteller von Speicherchips und Fernsehern ist, das Mobiltelefon wieder auf den Markt bringen wird.

Gewaltiger Image-Schaden

Die Kosten des Rückrufs wurden bisher auf umgerechnet rund 900 Mio. Fr. geschätzt. Diese Summe könnte jetzt noch höher werden. Als schwerste Belastung kommt auf Samsung aber der Reputationsschaden zu. Nach dem ersten Rückruf war das Unternehmen noch gelobt worden, dass es relativ zügig den Umtausch in die Wege geleitet habe. Mit dem zweiten Verkaufsstopp aber legt Samsung offen, dass es trotz der Umtauschaktion die Probleme noch nicht im Griff hat. An der Börse in Seoul gab der Aktienkurs des Unternehmens am Dienstag um 8% auf 1,545 Mio. Won (1.363 Fr.) nach.