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Hypo-Altlasten

Schelling erhöht im Heta-Poker den Einsatz – mit noch mehr Schulden

von Lukas Sustala / 02.03.2016

Hans Jörg Schelling legt im Heta-Streit mit den Gläubigern eins drauf. Das Zuckerl für die mehrheitlich deutschen Gläubiger sieht so aus, dass sie für den Verzicht ihrer landesbesicherten Schulden eine Bundesanleihe zeichnen dürfen, mit etwas besseren Konditionen. Das Angebot wirkt ein wenig wie eine Mogelpackung.

Es ist nicht oft der Fall, dass die Aussagen eines österreichischen Finanzministers in einer Dinnerrede bei einer Konferenz in der Finanzmetropole Frankfurt als so wichtig erachtet werden, dass sie den deutschen Medien eine Spitzenmeldung wert sind. Aber nun hat Hans Jörg Schelling im Streit mit den Heta-Gläubigern, mehrheitlich deutschen Banken, Versicherern und Fonds, einen „Sweetener“ präsentiert. Das Zuckerl hat die Form einer Nullkuponanleihe. Wenn die Gläubiger auf 25 Prozent ihrer Forderungen gegen die Heta und das marode Kärnten verzichten, erhalten sie dafür eine Bundesanleihe im Wert von 75, die 2034 mit 100 getilgt wird.

Der Schwenk auf das neue Angebot überrascht insofern nicht, als Kärnten und die Republik im Poker um die drei Milliarden Euro an Heta-Schulden, die sie sich mit einem für sich günstigen Rückkauf ersparen wollen, die schlechteren Karten haben.
Näheres dazu in unserem Erklär-Video:

Ob allerdings das erhöhte Angebot – das wohlgemerkt auf einem neuerlichen Mehr an Staatsschulden beruht – wirklich angenommen wird, ist offen. Denn streng genommen handelt es sich bei der Nullkuponanleihe um eine monetäre Mogelpackung. Zwar haben die Gläubiger 2034 dann wirklich 100 statt 75 für ihren Nominalwert. Allerdings fallen in der Zwischenzeit keine Zinsen an, wie der Name des Papiers („Nullkuponanleihe“) schon andeutet.

Die Zinsen sind niedrig, keine Frage, aber auf Sicht von 18 Jahren kommt auch bei einem guten Schuldner wie der Republik viel zusammen. Man kann sich ja einfach ansehen, wie hoch eine bis 2034 laufende österreichische Staatsanleihe aktuell verzinst ist. Da gibt es etwa einen Bond, der bis Mai 2034 läuft (ISIN: AT0000A10683), mit einer aktuellen Rendite von 1,08 Prozent. Würde ein Investor heute 75.000 Euro in diesen Bond stecken, hätte er 2034 immerhin 91.063 Euro. Schelling bietet mit dem modifizierten Angebot 100.000 Euro, also doch immerhin um fast ein Zehntel mehr.

Doch die interne Rendite-Rechnung der Gläubiger ist eine andere: In ihren Augen verdienen sie bereits heute 100 Euro für 100 Euro an Heta-Schulden. Die sind aber mit der aktuellen Verzinsung im Jahr 2034 deutlich mehr wert, nämlich 121,4 Euro. Ob die Gläubiger also auf das Viertel heute nicht verzichten, aber dafür auf das Sechstel im Jahr 2034? Schelling scheint es jedenfalls zu erwarten.