flickr/Francesco Pierantoni

Bankenstresstest

Schulterklopfen trotz ungelösten Problemen in Rom

von Andrea Spalinger / 01.08.2016

Das Resultat des Stresstests ist aus italienischer Sicht alles andere als gut ausgefallen. Mit einem Rettungspaket in letzter Minute konnte eine schwere Krise zwar wohl abgewendet werden. Die Herausforderungen bleiben aber gross.

In Italien hatte man Schlimmeres befürchtet. Nach Bekanntgabe der Resultate des europäischen Bankenstresstests machte sich entsprechend erst einmal grosse Erleichterung breit. Die heimischen Banken hätten insgesamt gut abgeschnitten, nur das bekannte Problemkind Monte dei Paschi di Siena sei durchgefallen, lautete der Tenor in den Medien. „Unsere Banken kommen mit erhobenem Kopf aus dem Test hervor“, schrieb die Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“. Derweil frohlockte „La Repubblica“, die vier gesünderen Banken – Unicredit, Intesa Sanpaolo, Banco Popolare und Ubi Banca – lägen zusammen gar über dem europäischen Schnitt.

MPS als Schlusslicht

Auch von offizieller Seite wurde Optimismus verbreitet. Die Zentralbank schrieb in einer Stellungnahme auf ihrer Website, vier der fünf getesteten italienischen Banken zeigten sich in guter Form. Aus dem Umfeld von Finanzminister Padoan verlautete, der Stresstest zeige, dass Italiens Bankensystem insgesamt solide sei. Eine solche Interpretation der Testergebnisse ist allerdings arg beschönigend.

Denn die Monte dei Paschi di Siena (MPS) hat nicht einfach nur schlecht abgeschnitten, sondern ist als Schlusslicht der 51 getesteten Banken gar als einziges Institut durchgefallen. Die Situation ist alarmierend. Obwohl die Latte bei den Krisenszenarien laut Experten viel zu niedrig angesetzt worden war, schaffte die toskanische Traditionsbank diese nicht.

Da am Freitagabend in letzter Minute noch ein Rettungsplan für die MPS auf den Weg gebracht werden konnte, hat sich die Angst vor einem Kollaps der drittgrössten italienischen Bank vorübergehend gelegt. Ein Konsortium von acht internationalen Grossbanken will eine Kapitalerhöhung im Umfang von 5 Mrd. € garantieren.

Zudem hat die Europäische Zentralbank (EZB) grünes Licht für die Auslagerung fauler Kredite in Höhe von 27 Mrd. € (nach Abschreibungen in den Bilanzen noch mit 10 Mrd. € aufgeführt) an einen privaten Fonds gegeben. Damit ist allerdings nur eine Schlacht und noch lange nicht der Krieg gewonnen. Der Bank steht nun eine sehr schwierige Sanierung mit offenem Ausgang bevor.

Auch Unicredit hat Probleme

Ganz abgesehen davon, hat auch die grösste italienische Bank, die Unicredit, nicht allzu gut abgeschnitten. Sie landete bei den zwei geprüften Krisenszenarien auf den hintersten Plätzen. Die Bank liess in der Nacht auf Samstag verlauten, man werde die Resultate mit der EZB besprechen und gemeinsam mit Frankfurt entscheiden, ob der Geschäftsplan angepasst werden müsse.

Die einzige weltweit aktive italienische Grossbank hat vor kurzem mit dem Franzosen Jean-Pierre Mustier einen neuen CEO erhalten, der einschneidende Strukturreformen angekündigt hat. Mustier will unter anderem verschiedene Beteiligungen verkaufen und die Führungsstrukturen deutlich straffen.

Laut Bloomberg plant er zudem auch eine Kapitalerhöhung von etwa 5 Mrd. €. Bei der Unicredit hofft man nun, dass es dank den angekündigten Massnahmen am Montag an der Börse zu keinem neuen Ausverkauf kommen wird.

Probleme gehen weiter

Selbst wenn die Feuerwehrmassnahmen der MPS und der Unicredit grössere Turbulenzen vorerst abwehren könne, sind die Bankenprobleme des Landes damit noch lange nicht gelöst. In Italien gibt es neben den fünf getesteten Kreditinstituten über 636 weitere Banken, unter ihnen viele regionalen Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die kaum profitabel sind. Ohne einschneidende strukturelle Reformen in dem Sektor sind weiter Krisen vorprogrammiert.