Schwach, schwächer, Euro

von Lukas Sustala / 11.03.2015

Die Gemeinschaftswährung ist zuletzt regelrecht gegen die Währungen der größten Handelspartner abgerutscht. Viele Zentralbanken haben dieses Jahr bereits die Zinsen gesenkt und bei der ÖVAG sind Fehler passiert. Ein Walkthrough zu den wichtigsten Themen im Phänomen Geld. 

Der Euro kennt nur eine Richtung: südwärts. Seit Montag kauft die Europäische Zentralbank für Milliarden Euro auf dem Anleihenmarkt ein. Die deutlichsten Spuren hinterlässt die Geldflut dabei auf dem Devisenmarkt. Am Mittwoch ist der Euro auf den tiefsten Stand gegen den US-Dollar seit 2003 gefallen. Auch gegen das britische Pfund ist der Euro aktuell sehr schwach und hat in einem Jahr um knapp 15 Prozent abgewertet.

Die Geschwindigkeit der Euro-Abwertung gegen den US-Dollar ist atemberaubend. Im größten und liquidesten Markt der Welt (Devisenmarkt von Euro-Dollar) ist eine Abwertung von 1,393 im Mai 2014 auf 1,056 am Mittwoch um knapp 24,5 Prozent höchst selten.

Das Auf und Ab der Devisenmärkte kann man mit vielen Theorien erklären. Viele Investoren beschäftigen sich mit den Zinsdifferenzen. So funktioniert die Dynamik: Steigen die Zinsen in einem Land, wird der Kapitalmarkt für Investoren interessanter. Das geht oft mit einem Aufwertungsdruck der Währung einher, weil die Nachfrage nach Wertpapieren mit den höheren Zinsen steigt. Bei Euro-Dollar ist absehbar, dass die jüngste Schwäche just zu einem Zeitpunkt kam, als die Zinsen für europäische Anleihen (hier repräsentiert durch Deutschland) deutlich stärker zurückgegangen sind als in den USA:

Der Euro ist auf unter 1,06 gegen den Dollar gefallen.
Der Euro ist auf unter 1,06 gegen den Dollar gefallen.

Die drastische Abwertung hat auch jenen Analysten Rückenwind verliehen, die mit einer Parität von Dollar und Euro rechnen, also einem Wechselkursverhältnis von 1:1. Bei Google Trends lässt sich gut erkennen, dass die jüngste Abwertung und die allgemeine Erwartung von milliardenschweren Ankaufprogrammen Ende des vergangenen Jahres die Euro-Dollar-Parität wieder aufs Tapet gebracht haben, wie Suchanfragen und Headlines zeigen.

Gesucht: Euro und Dollar bei 1:1
Gesucht: Euro und Dollar bei 1:1

23 Zentralbanken haben im Jahr 2015 Zinsen gesenkt. Die thailändische Notenbank ist am Mittwoch die 23. Zentralbank geworden, die dieses Jahr die Zinsen gesenkt hat. Der Ölpreiszerfall hat auch in Schwellenländern die Inflation massiv zurückgehen lassen. Doch auch die Konjunktur lahmt.

China wächst so langsam wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Das zeigen aktuelle Daten zu Investitionen und Industrieproduktion. Chinas Regierung versucht, vom kreditfinanzierten Wachstum der Vergangenheit wegzukommen, ohne gleichzeitig die Konjunktur abzuwürgen.

Krisenkommunikation à la ÖVAG. Auch die notverstaatlichte ÖVAG sorgt wieder für Schlagzeilen. Die Bank soll laut Presse-Informationen ihre eigene Situation lange Zeit zu positiv dargestellt haben, kritisieren Investoren und gehen juristisch gegen das Institut vor.

The next big blow-up? Blythe Masters hat einen neuen Job. Bei der US-Großbank JPMorgan war die Bankerin mitverantwortlich für die Kreation und Popularisierung von Kreditderivaten – von US-Milliardär und Investor Warren Buffett gerne als finanzielle Massenvernichtungswaffen bezeichnet. Nun leitet sie ein Start-up namens Digital Asset Holdings, das sich mit Transaktionen in der Krypto-Währung Bitcoin beschäftigt.