AP Photo/Kamran Jebreili, File

Walkthrough

Schwaches Gold und reiches Kärnten?

von Lukas Sustala / 18.11.2015

Die Gläubiger sehen bei Kärnten noch viel zu holen. Der Goldpreis ist gefallen, aber um wie viel? Österreich ist noch kein Gründerland. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Kärnten, da geht noch was! So kann man die wenig überraschende Aussendung der Ad-hoc-Gläubiger-Gruppe zusammenfassen, der die Bad Bank Heta mehr als 2,5 Milliarden Euro schuldet. Das Land Kärnten sei nicht pleite, sondern vielmehr zahlungsunwillig. Der Anwalt der Gruppe, Leo Plank, erklärte, das Land sei in der Lage, alle Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern einzuhalten, er reagierte damit auf die Aussage der Finanzreferentin Gaby Schaunig, dass die Gläubiger nicht mehr als das, was Kärnten zu leisten imstande sei, erwarten dürften. Die Aussendung der hoffnungsvollen Investorengruppe in sechs Bullet Points:

  • Kärnten ist nicht insolvent
  • Die Ausfallsbürgschaften für HETA könnten Kärnten letztlich weniger als drei Milliarden Euro kosten
  • Kärnten ist in der Lage, seine Verpflichtungen zur Gänze zu erfüllen
  • Die Republik Österreich muss sich der Verantwortung für die HETA stellen und Kärnten unterstützen
  • Die Ad-hoc-Gruppe wird einen Vorschlag machen, die bestehenden Ansprüche gegenüber HETA und dem Land Kärnten auf schuldnerfreundliche Art zu restrukturieren
  • Das geplante Rückkaufsangebot wird scheitern

Es wird interessant sein, ob das Rückkaufangebot bei anderen Investoren besser wegkommt. In jedem Fall aber haben wir es natürlich mit einem riskanten Manöver der Regierung zu tun (NZZ.at).

Der Goldpreis ist auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen. So weit, so bekannt und von vielen berichtet. Angesichts dieser Schlagzeilen finde ich es aber interessanter für die meisten Investoren, Gold auch in den Währungen zu betrachten, die für die Anleger relevant sind. Für die Investoren in Österreich ist das der Euro. Und gegen den Euro steht der Goldpreis zwar niedriger, aber nicht so viel niedriger als gegen den Dollar. Gegen den Greenback hat Gold in den vergangenen drei Jahren knapp 37 Prozent abgewertet, gegen den Euro „nur“ um 25 Prozent, gegen andere Währungen (wie den russischen Rubel) steht der Goldpreis sogar höher. Alles eine Frage der Perspektive.

Was von der EZB erwartet wird. Diese Euro-Schwäche ist natürlich auch eine Funktion der europäischen Geldpolitik. Und hier stellt sich die Frage, ob Investoren nicht längst zu hohe Erwartungen für die EZB-Zinsentscheidung am 3. Dezember hegen (NZZ). In jedem Fall sind längst auch schon Banken damit beschäftigt, „pro-aktiv“ die erwarteten Schritte vorwegzunehmen:

Wer mehr verkaufen will, wird Banker. Der Schlüssel zum Erfolg vieler großer Unternehmen war in der Vergangenheit, dass sie sich nicht damit zufriedengeben, dass sie ihre Produkte verkaufen, sondern ihren Käufern auch noch Kredite dafür vergeben haben. Was bei Autokäufen oder Investitionsgütern schon lange sehr üblich ist, will der chinesische Apple-Zulieferer Foxconn nun für den Elektronik-Sektor machen (WSJ): „Foxconn Technology Group doesn’t want just to make iPhones. It also wants to be the banker for the world’s electronics supply chain.“ Foxconn hat bereits eine Handvoll an Finanzdienstleistern gegründet.

Noch viel Zeit, bis Österreich Gründerland ist. Österreicher sind tendenziell wenig interessiert an der Gründung eines Unternehmens. Ein heuer erstmals erhobener „Entrepreneurial Spirit Index“ weist Österreich nur Rang 38 unter 44 Ländern zu. Laut Index ist nur für 27 Prozent der Österreicher wünschenswert, Unternehmer zu sein. Hier gibt es also noch viel, viel Luft nach oben. Aber das wundert niemanden, der weiß, wie klein Wirtschaft an den Schulen geschrieben wird.

Was mit Valartis in Wien passiert. Auf dem österreichischen Bankenmarkt tut sich etwas. Die Wiener Privatbank könnte die Valartis Bank kaufen. Die Schweizer Holding ist ja in Zahlungsschwierigkeiten (NZZ). Nachdem die übrigen Interessenten offenbar diesen Status verloren haben, könnten Geschäft und die Immobilie hinter dem Wiener Rathaus an die Wiener Privatbank rund um Conwert-Gründer Günter Kerbler gehen (Der Standard).

Free Lunch – Food for Thought

Wovor Ökonomen Angst haben: Superhysterese (FAZ).

Ich glaube, man kann es international als Mainstream bezeichnen, dass eine Razzia in der eigenen Zentralbank kein wirkliches Zeichen für Vertrauen ist.

Warum das Wachstum in der Türkei so stark zurückgegangen ist (VoxEU).

Is Finance bad for growth? (Brookings)

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