Schwedens Notenbank öffnet ihr geldpolitisches Arsenal

von Ingrid Meissl Årebo / 13.02.2015

Die Reichsbank senkt den Repo-Satz erstmals auf -0,1 Prozent. Zudem kauft sie Staatsobligationen, um der Teuerung auf die Sprünge zu helfen. Falls dies nicht reicht, stellt sie weitere Lockerungsmaßnahmen in Aussicht. NZZ-Korrespondentin Ingrid Meissl Årebo berichtet über Negativzinsen, Anleihekäufe und weitere mögliche Maßnahmen aus Stockholm.

Die schwedischen Währungshüter greifen tief und mit beiden Händen in die geldpolitische Werkzeugkiste: Um der Teuerung Schub zu verleihen, nehmen sie den Repo-Satz von 0 Prozent auf –0,10 Prozent zurück und planen eine eigene quantitative Lockerung (QE) in Form eines Kaufs von Staatsobligationen für 10 Milliarden Kronen (1,05 Milliarden Euro). Zudem schieben die schwedischen Notenbanker den Zeitpunkt für eine Zinswende weiter in die Ferne – mit einer Erhöhung des Repo-Satzes ist aus heutiger Perspektive frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2016 zu rechnen.

Damit nicht genug: Notenbankchef Stefan Ingves betonte an der Medienkonferenz vom Donnerstag, dass er weitere Maßnahmen ergreifen werde, sofern diese nötig würden, um „die Rolle des Inflationsziels als Anker für Preis- und Lohnbildung“ wiederherzustellen. Neben weiteren Zinssenkungen und Anleihekäufen erarbeitet die Notenbank derzeit ein System, um die Unternehmen via Banksystem mit mehr Geld zu versorgen.

Überraschender Schritt

Mit diesem massiven Kraftakt hat die Reichsbank am Donnerstag für Überraschung gesorgt. Analytiker hatten die erstmalige Einführung von Negativzinsen in Schweden zwar nicht ausgeschlossen. Dass diese auch von einem eigenen QE begleitet würde, kam jedoch für viele unerwartet. Auch Ingves führte eine Reihe von Faktoren ins Feld, die ein Abwarten der Notenbank gerechtfertigt hätten.

Erstens mehren sich die Zeichen einer Trendwende bei der Teuerung. Während die Konsumentenpreise noch im Minusbereich liegen, sind nicht zuletzt die Preise für Lebensmittel und für Dienstleistungen wieder am Steigen. Die Kerninflation beträgt derzeit gut 1 Prozent und soll laut der Reichsbank bis Ende 2016 auf 2 Prozent klettern.

Zweitens brummelt der schwedische Konjunkturmotor in ansprechendem Takt, die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessert sich Monat für Monat. Mit einem erwarteten Wirtschaftswachstum von rund 2 Prozent liegt das Wachstumstempo im Normalbereich, unterstützt durch tiefe Energiepreise, tiefe Zinsen und den schwächeren Kronenkurs.

LeitzinsenSchweden
LeitzinsenSchweden
Schweden folgte dem Beispiel der Schweiz und führte einen Negativzins ein.

Dass die Reichsbank dennoch schweres geldpolitischen Geschütz auffährt, liegt laut Ingves am globalen Spielfeld, das sich während der vergangenen Monate markant verändert hat. Die viel tieferen Erdölpreise, die von mehreren Notenbanken eingeführten Negativzinsen und qualitative Lockerungen, die Spannungen im Wechselkursgefüge sowie die unsichere finanzielle Lage Griechenlands und der Ukraine-Konflikt seien allesamt Risikofaktoren, die auch Schweden beträfen. Besorgt sind die Währungshüter nicht zuletzt über die kontinuierlich sinkenden Inflationserwartungen, die sich immer weiter von 2 Prozent entfernen – dem von Schweden angestrebten Zielwert.

Anhaltendes Schuldenproblem

Wie schon während der letzten Monate verlor die Notenbank auch diesmal wenig Worte über die beträchtliche Verschuldung vieler schwedischer Haushalte. Zwar bekümmert sie das Problem der steigenden Schuldenlast und Immobilienpreise, das durch die geldpolitische Expansion verschärft wird, weiterhin, doch seit vorigem Sommer kommt der Sorge um die Preisstabilität höhere Priorität zu. Ingves rief einmal mehr andere Akteure (sprich: die Finanzaufsicht und die Politiker) dazu auf, sich des Schuldenproblems anzunehmen.

Die Lockerungsmaßnahmen der Notenbank führten zu einem Freudensprung der Stockholmer Börse, deren Hauptindex bis Handelsschluss um 2,1 Prozent zunahm. Die Schwedenkrone notierte am Donnerstagnachmittag gegenüber dem Euro und dem Dollar um 1,2 Prozent beziehungsweise 0,6 Prozent tiefer. Innerhalb Jahresfrist hat die Krone fast ein Drittel ihres Wertes gegenüber dem Dollar sowie ein Zehntel gegenüber dem Euro verloren.