Sell in May oder Wer hat Angst vorm 1. Mai?

von Lukas Sustala / 01.05.2015

Wir haben den ersten Mai in unserem Geld-Podcast dafür genützt, um über ein Phänomen zu sprechen, das auf den ersten Blick höchst seltsam wirkt: Kalendereffekte auf den Kapitalmärkten. Besser gesagt den wohl bekanntesten unter ihnen, der in dem schönen Spruch „Sell in May and go away“ zusammengefasst werden kann. Der Spruch sagt nicht mehr oder weniger, als dass es ratsam sei, seine Aktien im Mai zu verkaufen und erst später im Jahr, je nach Spruchvariante, im September, November oder am St. Leger Day wieder einzusteigen.

Kalendereffekte haben am Finanzmarkt eine lange Tradition. Forscher setzen sich laufend mit ihnen auseinander. Es gibt etwa den Jänner-Effekt, der in den meisten quantitativen Modellen verwendet wird. Aktionäre warten zudem immer wieder auf die tolle Entwicklung zum Jahresende, die bekannte Jahresendrallye. Der Mai wiederum ist eher als abschreckender Monat in die Finanzgeschichte eingegangen. Denn gerade über die Sommermonate sind immer wieder krisenhafte Erscheinungen zu beobachten gewesen (etwa der Ausbruch der Finanzkrise auf dem Geldmarkt im August 2007). In diesem Jahr nehmen sich wieder viele Kommentatoren Anleihe bei dem Sell-in-May-Spruch, weil die Aktienmärkte bis auf eine kleine Korrektur in den vergangenen zwei Wochen eigentlich sehr gut gelaufen sind. Allein, kein Kalenderblatt taugt als Anlagetipp. Angst vorm 1. Mai braucht kein Investor zu haben, selbst wenn die Aussichten nach der jüngsten Euphorie wohl etwas getrübt sind.