Sieben Charts zu Ametsreiters Abgang

von Lukas Sustala / 16.06.2015

Der Telekom Austria kommt ihr Vorstandschef abhanden. In den Jahren an der Spitze lenkte Hannes Ametsreiter die Telekom Austria durch turbulentes Fahrwasser in den mexikanischen Hafen.

Der heimische Telekomkonzern Telekom Austria und sein Vorstandsvorsitzender Hannes Ametsreiter gehen getrennte Wege. Nach sechs Jahren als CEO verlässt er den Konzern per 31. Juli 2015. Ametsreiter legt damit nach turbulenten Jahren auf, in denen die Telekom in den Nachwehen der Finanzkrise nach Auswegen suchte und am Ende den neuen Eigentümer im mexikanischen Milliardär Carlos Slim fand.

Aufsichtsratschef Wolfgang Ruttenstorfer dankte Ametsreiter in der Presseaussendung für die „Führung des Unternehmens in herausfordernden Zeiten, auch in der Phase des Überganges der Telekom Austria Group zu einer Konzerngesellschaft der América Móvil“. Wobei „herausfordernde Zeiten“ ein Euphemismus für ein deutlich schwächeres Geschäft ist. Wir haben die Herausforderungen für die Telekom in sieben Charts zusammengefasst.

Strukturwandel und Kapitalbedarf

Im Zentrum der Telekom-Probleme steht der massive Strukturwandel in der Branche, ausgelöst durch die Digitalisierung und den Trend hin zum Breitband. Es ist ein Problem, das nicht die Telekom Austria alleine hat. Das zeigt ein Blick auf den europaweit agierenden Sektor. Die Nettomarge, also der Anteil der Nettogewinne an den Umsätzen, ist deutlich niedriger als noch vor der Krise. Die hohen, notwendigen Investitionen in Breitband schlagen sich nicht in sprudelnden Gewinnen nieder.

Für die Telekom Austria ist das Thema noch einmal verschärft, denn die Hoffnung auf hohe Renditen in vielen osteuropäischen Märkten haben sich in den vergangenen Jahren wenig erfüllt und im Heimmarkt Österreich war bis zur jüngsten Konsolidierungswelle von einem harten Preiskampf die Rede. Bei der Telekom führte das zu einem sukzessiven Rückgang des operativen Ertrags (gemessen am EBITDA, dem Gewinn vor Zinskosten, Abschreibungen und Steuern). Mit der Profitabilität sank auch der Marktwert der Telekom Austria. Es ist daher kein Wunder, dass die Telekom Austria 2014 eine Trendwende einläuten musste:

Hohe Investitionen und gleichzeitig die Beibehaltung einer großzügigen Dividendenpolitik, um die Eigentümer wohlgesonnen zu stimmen, haben 2014 zu einem Kapitalbedarf geführt, der zum Großteil mit mexikanischen Mitteln gefüllt wurde.

Die Kapitaleinschuss von knapp einer Milliarde Euro hat den Kostendruck bei der Telekom noch einmal erhöht, wie Aussagen von Hannes Ametsreiter erkennen lassen („Wir drehen jeden Cent um“). Dass in so einem Umfeld die Stimmung nicht gerade die beste ist und die Mexikaner die Kosten unter Kontrolle bringen wollten, scheint zu seinem Abgang zumindest beigetragen zu haben.

Von Abschreibungen bis Zukunft

Dabei hat América Móvil nach eigenen Angaben noch viel mit der Telekom Austria vor. Sie soll ein Baustein in der Konsolidierung der gesamten Telekombranche in Europa sein und die Marktposition in Zentral- und Osteuropa weiter ausbauen.

Wobei die Telekom Austria mit ihrer vergangenen Expansion im Osten auch große (Bewertungs-)Risiken eingegangen ist. Denn die Abschreibungen auf die Firmenwerte in Bulgarien und Weißrussland haben wesentlich zu den schwächeren Ergebnissen in den vergangenen Jahren beigetragen.

Dabei spielte auch die Makroökonomie nicht immer mit. In Weißrussland sorgte die Hyperinflation im Jahr 2011 für eine wesentliche Wertminderung und einen Jahresverlust:

Den Aktionären bleibt von der Telekom Austria jedenfalls nicht viel. Die lange Zeit hohe Dividendenrendite wurde gekürzt und liegt mittlerweile unter der Marke von einem Prozent. Die Entwicklung der TA-Aktie liegt hinter dem ohnedies im internationalen Vergleich schwachen heimischen Aktienindex (ATX) zurück:

Auch wenn América Móvil deutlich mehr Anteile besitzt, liegt es nun an der neuen Holding der Republik, der ÖBIB, nach einem neuen Telekom-CEO zu suchen (erste Namen werden bereits ins Spiel gebracht, selbst wenn die Suche noch ein wenig dauern dürfte). Ein neuer CEO wird aber aus dem mexikanisch fest gezurrten Kostenkorsett ebenso wenig herauskommen wie aus dem Strukturwandel der Branche. Und wenn es stimmt, dass das von den Mexikanern entsandte Vorstandsmitglied Alejandro Plater jede Rechnung über 100.000 Euro unterschreiben muss, dann ist der Spielraum wahrlich kein großer.