Rafael Marchante / Reuters

Luxussteuer in Portugal

Sonne und Steuern nicht nur für Reiche

von Thomas Fuster / 28.09.2016

Die sozialistische Regierung und ihre weiter links stehenden Partner erwägen die Einführung einer neuen Steuer auf Luxusvillen. In der Immobilienbranche grassiert die Unruhe.

Nicht nur als Ferienland ist Portugal in. Ein Segen für die Immobilienbranche sind etwa die „goldenen Visa“ für Nicht-EU-Bürger. Vor allem Chinesen lassen sich mit diesen Visa für den gesamten Schengen-Raum dafür „belohnen“, dass sie Objekte für mindestens 500 000 € gekauft haben. Mit steuerlichen Sonderkonditionen umwirbt das Land derweil Leute aus EU-Ländern mit hohen Steuern, wie etwa Frankreich, die sich in Portugal niederlassen.

In der Immobilienbranche grassieren nun aber Ängste, dass die sozialistische Minderheitsregierung potenzielle Käufer mit einer neuen Steuer auf Luxusimmobilien verschrecken könnte. Vorgeschlagen wurde diese Steuer vom marxistischen Linksblock, auf dessen Rückhalt Ministerpräsident António Costa angewiesen ist. Nur das reichste Prozent der Bevölkerung müsste diese Steuer zahlen, heisst es. Sie soll auch nicht auf den Marktwert einer Villa entfallen, sondern auf den meist viel tieferen Steuerwert. Als Untergrenze waren schon 500 000 € oder 1 Mio. € im Gespräch. Massgeblich wäre aber nicht der Wert einer einzelnen Immobilie, sondern der gesamte Immobilienbesitz des Eigentümers. Erklärtes Ziel ist mehr Steuergerechtigkeit in dem Land, in dem die Niedrigverdiener besonders stark unter der Krise gelitten haben. Ob das eher niedrige Aufkommen aus der Steuer die Folgen der jüngsten Unruhe ausgleichen könnte, stünde aber dahin.

Doch nicht nur Eignern von Luxusvillen droht eine höhere Immobiliensteuer. Schon die jetzige Abgabe richtet sich nicht nur nach der Grösse des Objektes, sondern auch nach Lage und Ausstattung. Ein neues Reglement sieht vor, dass ein Komfort-Koeffizient einen Aufschlag um bis zu 20% statt wie bisher um nur 5% bewirken kann. Ein erhöhender Faktor ist Sonnenstrahlung. Von Sonnen-Steuer spricht die Opposition, die diese Neuerung kippen will – obwohl auch Abschläge möglich sind, etwa für den Blick auf Kläranlagen oder Friedhöfe. Auch wer arm ist und ein sonniges Südfenster hat, müsste womöglich aber mehr zahlen als bisher, denn die Sonne scheint nicht nur für die Reichen.