Bild: German Haus/Initiative Musik/ Dan Taylor

Österreich bei der SXSW

Sound of Music 2.0

von Elisabeth Oberndorfer / 26.03.2017

Die „South by Southwest“, kurz SXSW, ist seit 30 Jahren Treffpunkt der Musik-, Technologie- und Filmbranche. Bei der einwöchigen Konferenz in Austin, Texas, präsentieren sich seit einigen Jahren auch österreichische Unternehmen offiziell. Start-ups zieht es wegen potenzieller Partner in den USA zu dem internationalen Event. Einige Gründer waren dieses Jahr dabei erfolgreich. 

Musik-Start-ups auf deutscher Bühne in Texas

„Macht euch gefasst auf eine Woche gratis Drinks und gratis Essen!“, so bereiten SXSW-erfahrene Texaner internationale Gäste auf die Großveranstaltung vor. „Nimm dir nicht zu viel vor. Alle Pläne werden über Bord geworfen, sobald du dort ankommst“, sagen jene, die schon mehrmals zur Konferenz nach Austin gefahren sind. Zwischen Keynotes von internationalen Größen aus der Wirtschaft und Politik, Ex-US-Vizepräsident Joe Biden, Konzerten und Filmpremieren liegen tatsächlich viele Warteschlangen, Zufallsbekanntschaften und geschenkte Tacos. Das Festival zieht eigenen Angaben zufolge 72.000 Teilnehmer, Vortragende und Künstler an, die meisten von ihnen verfolgen das gleiche Ziel: sich zu vernetzen und gehört zu werden.

So auch österreichische Unternehmen, denn die Außenwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich schickt seit einigen Jahren Delegationen zur Konferenz. Anfangs versuchte man es mit einem Österreich-Stand im Ausstellungsbereich des Austin Convention Centers. Dieses Jahr hat sich die Außenwirtschaft jedoch für eine andere Präsentation entschieden. Im German Haus, dem Veranstaltungsort von deutschen Wirtschaftsvertretern in Austin, mietete man sich für den „Austrian Day“ ein. 46 Personen von 28 Start-ups nahm die Außenwirtschaft auf die USA-Reise mit. Unter dem Motto „The New Taste of Music“ präsentierten sich am 14. März sechs Start-ups, die Technologien im Musikbereich entwickeln. Die geladenen Gäste wurden während der Pitches mit österreichischer Küche versorgt, im Publikum war unter anderem die ehemalige US-Botschafterin Alexa Wesner.

Bild: German Haus/Initiative Musik/ Dan Taylor

„Music Traveler“ war eines der österreichischen Musik-Start-ups, das sich bei der SXSW in Austin präsentierte. (Bild: German Haus/Initiative Musik/ Dan Taylor)

Eines der Start-ups, das sich im German Haus präsentierte, ist das von Lounge.fm-Chef Florian Novak gegründete Tonio. Die Technologie transportiert über Ton Informationen, die auf dem Smartphone abrufbar sind. Beim „Austrian Day“ stellte Novak eine Kooperation mit der Wiener Staatsoper vor. Sein Resümee des Auftritts: „Das geweckte Interesse ist enorm.“ Zudem habe er durch den SXSW-Besuch erkannt, dass sein Audio-Decoding-System „cutting-edge“ sei. Das Feedback der anderen Teilnehmer war laut Reanne Leuning von der Außenwirtschaft Creative Industries, die den „Austrian Day“ organisierte, ähnlich: „Alle berichten von Geschäftsanbahnungen. Es ist aber noch zu früh, von konkreten Deals zu sprechen.“

US-Partner und Pitch-Finalisten

Das E-Learning-Start-up „uugot.it“ hat laut Gründer Philipp Etzlinger in Austin einen fixen Partner gefunden. Die Anwendung unterstützt das Lernen einer Sprache durch Videoinhalte über das Einblenden von Übersetzungen. „Der Partner möchte Content auf unsere Lernplattform bringen“, sagt Etzlinger. Um wen es sich handelt, will der Geschäftsführer erst nach Vertragsabschluss verkünden. Der Deal sei jedenfalls nicht vorbereitet oder strukturiert gewesen: „Uns wurde nur im Zuge eines Pitchings ein Link zu der Geschäftsführerin dieser Plattform gelegt.“

Ein anderes österreichisches Jungunternehmen konnte sich auf der offiziellen SXSW-Bühne präsentieren. Bei „myAlfred“ handelt es sich um einen virtuellen Assistenten für die Terminplanung, im Zuge der Konferenz launchten die Entwickler ihr Produkt und waren Finalisten des „SXSW Release it“-Wettbewerbs. Für Mitgründer Gregor Pichler war der Besuch der Interactive-Konferenz wegen der „Release it“-Teilnahme ein Erfolg.

Zahlt sich ein Trip zur SXSW, bei der die billigste Ticketkategorie 825 US-Dollar kostet und Unterkünfte dem Andrang entsprechend hochpreisig sind, aus? Tonio-Chef Novak meint, ja: „Wenn die Umstände wie dieses Jahr mit dem Austrian Day passen, dann ist es für österreichische Start-ups wichtig, hier zu sein.“ Außenwirtschaft-Managerin Leuning will das Konzept nächstes Jahr fortsetzen: „Aus unserer Sicht war die Entscheidung, mit den deutschen Kollegen zu kooperieren, die richtige.“ Anstatt in ein Österreich-Haus zu investieren, wird die Außenwirtschaft 2018 wieder die Ressourcen der Kollegen aus Deutschland nutzen. Etzlinger von „uugot.it“ glaubt ebenfalls, dass heimische Gründer von der SXSW profitieren können: „Mein Eindruck war, dass man sich am SXSW gefreut hat, dass eben auch internationale Start-ups vor Ort waren.“

Und wenn schon keine Investoren oder Geschäftspartner gefunden wurden, hat man zumindest eine Woche lang Essen und Trinken gratis konsumiert.