Sparer verharren in Schockstarre

von Lukas Sustala / 11.11.2014

Die Sparquote ist in Österreich zuletzt leicht gestiegen, doch stagnierende Einkommen und die EZB-Minizinsen führen zu unrentablen Umschichtungen auf heimischen Sparbüchern.

Im Börsel wenig Neues: Stagnierende Einkommen (nach Abzug von Steuern und Inflation) und die niedrigen Zinsen haben die heimischen Sparer fest im Griff. Das ist das Ergebnis der jüngsten Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung der Österreichischen Nationalbank (OeNB).

Justament nach dem Zelebrieren des Weltspartags zeigt sich, dass selbst im europaweiten Vergleich Österreichs Sparlaune nicht mehr ausgeprägt ist. Sowohl beim realen Wachstum des Nettoeinkommens als auch bei der Sparquote von 7,4% hinken die heimischen Haushalte hinterher, sagte Andreas Ittner, Vize-Gouverneur der OeNB, am Dienstag. Ein Grund ist die im internationalen Vergleich recht hohe heimische Inflationsrate. An den langfristigen historischen Durchschnitt von 10,3% dürfte die Sparquote daher auch auf absehbare Zeit nicht heranreichen, rechnet die OeNB.

So sparen Österreichs Haushalte
So sparen Österreichs Haushalte
Geldvermögen in Milliarden Euro nach Anlageklassen

Das hat auch direkte Folgen bei der Veranlagung. Herr und Frau Österreicher parken einen erheblichen Teil ihres Vermögens in Einlagen. Neu veranlagt wird dabei zu einem großen Teil in täglich fälligen Sparformen. Wirklich investiert, in Beteiligungen oder Finanzprodukte, wird hingegen kaum.

Befragt nach der Rolle der Niedrigzinspolitik für die geringe Sparneigung verteidigte Ittner den Kurs der Europäischen Zentralbank:

Ein Ziel der Geldpolitik ist ja, dass Unternehmer und Haushalte mehr Geld ausgeben.

Er erwartet, dass die Sparquote angesichts der niedrigen Zinsen auch weiter niedrig bleiben wird. Dafür spricht auch eine aktuelle Studie der Statistik Austria. Demnach ist der materielle Wohlstand der Österreicher zuletzt zurückgegangen. Um 2,2 Prozent sind demnach die realen Haushaltseinkommen pro Kopf zurückgegangen. Damit stagnieren sie de facto seit 2006, die Haushalte haben daher ein verlorenes Jahrzehnt bei der Einkommensentwicklung hinter sich.

Trend zu Online

Aber innerhalb der Spareinlagen tut sich immerhin etwas. Direktbanken und Online-Anbieter etablierter Institute greifen einen erheblichen Teil des Einlagenwachstums der vergangenen vier Jahre ab. 8,6 Milliarden Euro haben heimische Sparer neu angelegt, davon 3,6 Milliarden bei den Direkt- und Online-Banken.

Sparquote macht einen statistischen Sprung

Ein statistisches Bonmot hält die neue Berechnung der OeNB auch bereit. Eine Umstellung der Berechnungsmethode führt dazu, dass das Geldvermögen um 61 Milliarden Euro höher ist als bisher angenommen. Ein Großteil des Effekts kommt deshalb zustande, weil künftig ein erheblicher Teil der Privatstiftungen dem Haushaltssektor zugeordnet wird (+51 Mrd. Euro). Besonders die Beteiligungen der Stiftungen (Sonstige Anteilsrechte) erhöhen das Geldvermögen.

Statistischer Sprung des Vermögens
Statistischer Sprung des Vermögens
Dass die Vermögen von Privatstiftungen künftig neu ins Finanzvermögen einfließen, erhöht das Geldvermögen der privaten Haushalte.