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Spenden

Spenden à la Silicon Valley

von Christiane Hanna Henkel / 03.12.2015

Zuckerbergs Rekordspende setzt eine neue Norm für die Philanthropie in den USA: Die Generation der Tech-Unternehmer spendet früher, höhere Beträge und mit höheren Ambitionen, wie NZZ-Korrespondentin Christiane Hanna Henkel berichtet.

Im Sommer letzten Jahres forderte der Investor und Milliardär Warren Buffett die großen Philanthropen in den USA auf, in einem öffentlichen Brief die Gründe für ihre Spenden sowie ihre damit verbundenen Hoffnungen und Träume darzulegen. Im Auge hatte er dabei vor allem den damals 30-jährigen Mark Zuckerberg. Dem Facebook-Gründer, erklärte Buffett, komme eine besondere Rolle zu: Der junge Milliardär im Kapuzenpulli könne mit seiner Botschaft ein ganz anderes Publikum erreichen als er. Er könne der jungen Generation der Milliardäre als Vorbild dienen. Dessen Brief könne dazu beitragen, neue Normen für die Philanthropie zu etablieren. Buffett konnte damals nicht ahnen, dass Zuckerberg übers Ziel hinausschießen würde. Mit seiner am Dienstag anlässlich der Geburt seiner ersten Tochter angekündigten Spende von 99 Prozent seiner Facebook-Aktien im Wert von 45 Milliarden US-Dollar knüpft Zuckerberg zwar in gewisser Weise an die Tradition der in den USA von Unternehmern betriebenen Philanthropie an. Rund 359 Milliarden Dollar sind in den USA im vergangenen Jahr gemeinnützigen Zwecken zugeführt worden. Seit je ist das private Engagement in den USA für gemeinnützige Zwecke sehr ausgeprägt. Unternehmer wie Rockefeller, Carnegie oder Ford wollten mit ihren Stiftungen auch ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem unterstützen, das ihnen den Erfolg überhaupt erst ermöglicht hat.

Neuer Maßstab

Doch mit der am Dienstag angekündigten Spende seines praktisch gesamten Facebook-Vermögens setzt Zuckerberg in der Tat neue Maßstäbe. So ist es recht unüblich, dass Unternehmer bereits in jungen Jahren ihre Vermögen spenden. Es ist ein Phänomen der letzten Jahre, dass bereits 20- oder 30-Jährige Millionenbeträge verschenken. Patrick Roony von der Indiana University Lilly Family School of Philanthropy beobachtet seit zwei oder drei Jahren, dass die Spendensummen immer höher werden und oft 200 Millionen Dollar übersteigen. In den meisten Fällen kämen die jungen Philanthropen aus dem Silicon Valley.

Zuckerberg, die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page oder Twitter-Mitgründer Jack Dorsey sind einige wenige von hunderten neuen Mitgliedern im stetig wachsenden Millionärs- und Milliardärsklub der Westküste. Dass diese erfolgreichen Unternehmer bereits in jungen Jahren ihre Vermögen gemeinnützigen Zwecken zuführen, dürfte mit einer dieser Generation eigenen Suche nach nichtmateriellen Werten zu tun haben. Dafür spricht auch, dass sich etwa Firmen wie Google und Facebook einer weltverbessernden Mission verschrieben haben.

Wandel als Ziel

Die aus dem kapitalistischen Kreativklima des Silicon Valley hervorgehenden Unternehmer wollen nicht bloß hier und dort helfen, sie wollen die Welt verändern. Zuckerberg ließ am Dienstag in seinem Brief weder daran einen Zweifel noch an seiner Absicht, dass er damit sofort beginnen wolle. Status definiert sich in der Generation der „Millennials“ im Silicon Valley, also der in den 1980er und 1990er Jahren Geborenen, nicht nur über den unternehmerischen Erfolg, sondern auch über den damit zu erreichenden gesellschaftlichen Wandel – sei es direkt über die Einführung neuer Geschäftsmodelle (wie Facebook, Uber oder Airbnb) oder nun eben auch indirekt über das Spenden.

Damit stehen Zuckerberg und andere junge Philanthropen aus dem Technologie-Sektor nun vor der Herausforderung, die Spendenmilliarden auch effizient einzusetzen. Ihre Technologie-Expertise dürfte dabei äußert hilfreich sein. Doch dass manchmal auch Millionen nichts bewegen können, hat Zuckerberg bereits schmerzhaft erfahren müssen. Vor fünf Jahren wollte er mit einer 100-Millionen-Dollar-Spende die Stadt Newark in New Jersey zu einem Modell für eine Schulreform machen. Doch dieser Versuch misslang.