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Walkthrough

Start-ups im Jubel, Banken im Taumel

von Lukas Sustala / 06.07.2016

Die Regierung hat ein bemerkenswertes Start-up-Paket geschnürt. Jetzt bloß nicht aufhören. Der Brexit sorgt für Nachbeben an einigen Finanzplätzen. Die Deutsche Bank und Snapchat. Und ein paar Leseempfehlungen. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Start-ups. Das kann doch nur der Anfang sein. 185 Millionen Euro „pumpt“ die Regierung nun also in die Gründerszene. Doch die Zahl braucht Kontext (NZZ.at):

1. 185 Millionen Euro sind wirklich nicht viel.
2. Österreich hat nicht zu wenig Staat und Förderungen bei Start-ups, sondern eher zu viel.
3. Was „innovativ“ ist, sagt der Staat.
4. So lobenswert es ist, den Flaschenhals Finanzierung loszuwerden: It’s the mindset, stupid! Es braucht mehr Unternehmergeist.

Das Start-up-Sofortpaket der Regierung ist in jedem Fall ein guter Katalysator für die Gründerszene. Jetzt braucht es noch mehr Treibstoff, viel mehr sogar.

Brexit sorgt für Finanznachbeben. An den Finanzmärkten hinterlässt der Brexit wieder seine Spuren, auch wenn sie vor allem für professionelle Investoren zu spüren sind. So mussten mehrere offene Immobilienfonds in Großbritannien geschlossen werden, weil Investoren in Scharen ihr Geld abziehen wollten (FAZ). Das britische Pfund ist indes auf ein neues Allzeittief gefallen.

Doch selbst diese Zeitreihe unterschlägt, wie schwach das Pfund wirklich gegen den US-Dollar steht.

Und die zehnjährigen US-Staatsanleihenrenditen – die gerne auch als Indikator für die langfristigen Wachstumsaussichten hergenommen werden – sind auf den niedrigsten Stand aller Zeiten gefallen.

„Something is wrong.“ Dieser Tage sind und bleiben aber vor allem die Bankaktien im Fokus der Investoren, der Brexit mag die Situation nur verschärfen, die ohnedies im Argen lag. Nicht nur, dass die italienischen Behörden wieder einmal das „Short-Selling“, also die Wetten auf fallende Kurse, bei der angeschlagenen MPS verboten haben. Die Deutsche Bank lieferte zudem das Faktum der Woche, um einzuschätzen, wie extrem das Misstrauen der Anleger gegenüber den Geldhäusern ist (Bloomberg): „Deutsche Bank, which once had pretensions to be Europe’s contender on the global investment banking stage, is now worth just 17 billion euros ($18 billion). When the biggest bank in Europe’s biggest economy, with annual revenue of about 37 billion euros, is worth about the same as Snapchat – a messaging app that generated just $59 million of revenue last year – you know something’s wrong.“

Die Sozialpartner, die mächtigsten Lobbyisten des Landes. Ich kann Ihnen nur empfehlen, das gestrige Ö1-Journal-Panorama nachzuhören. Darin gehen die Journalisten Stefan Kappacher und Nadja Hahn der mächtigen Schattenregierung des Landes, den Sozialpartnern, nach und wie sich diese in den vergangenen Jahrzehnten – nicht – verändert haben (Ö1).

Keine Konsistenz beim Budget. Der Fiskalrat hat heute seinen aktuellen Bericht zur Lage der Staatsfinanzen präsentiert. Dabei ging es gerade um die Frage, wie denn eigentlich die Fiskalpolitik in Österreich ausgestaltet ist. Die keynesianistische Lehre würde ja nahelegen, in Krisenzeiten kräftig Geld in die Hand zu nehmen und in Phasen der Hochkonjunktur zu sparen. Aber so richtig viel strukturiertes finanzpolitisches Verhalten kann man in Österreich nicht herauslesen.

Interview mit dem Krisenökonomen. NZZ-Kollegin Claudia Aebersold Szalay hat ein Interview mit Harvard-Professor Kenneth Rogoff geführt (NZZ.at): „Der Brexit zeigt, wie man mit Populismus politische Karriere macht.“

Inspirationen – Food for thought

Heute Rezensionen und Lesetipps: Etwa zu der goldenen Ära der Produktivitätsfortschritte (NZZ.at) oder dem Sündenregister grüner Verbotspolitik (NZZ.at). Aber man kann gar keine Lesetipps geben, ohne auf einen der Größten hinzuweisen: Das sollten Sie lesen, wenn es nach Bill Gates geht (Bill Gates Notes).

Der neue Arbeiterkammerdirektor über eine mögliche SP-FP-Koalition: „Bei der FPÖ sehe ich immer wieder Positionen, die mir nicht gefallen – aber ich sehe nichts, was eine Zusammenarbeit grundsätzlich ausschließt.“ (Der Standard)

The job race: Machines versus humans (VoxEU).