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Statussymbole in Russland: Wenn der Geheimdienst Mercedes empfiehlt

von Benjamin Triebe / 15.07.2016

Die G-Klasse von Mercedes, der „Geländewagen“, dient reichen Russen als exklusives Spielzeug. Selbst der Geheimdienst schwört auf den kantigen Jeep – obwohl er nicht immer für Recht und Ordnung steht.

Ein Mercedes ist auch in Russland ein Statussymbol, und das markanteste aller rollenden Mercedes-Symbole ist der „Geländewagen“, die sogenannte G-Klasse. Dieser kantige Kasten rollt seit 1979 vom Band, war zuvor eine Spezialanfertigung für den iranischen Schah und wird seit damals äusserlich weitgehend unverändert hergestellt. Alles an dem Jeep ist Luxus. Mit teurem Interieur, der dröhnenden Verachtung alles Effizienten und dem Spritverbrauch einer startenden Iljuschin verkündet der Geländewagen-Fahrer eine simple Botschaft: Ich fahre dieses Auto, weil ich es mir leisten kann. Der russische Listenpreis beginnt bei 6 650 000 Rbl., umgerechnet 102 000 Fr. Weil Strafzettel im Vergleich dazu nur Trinkgelder sind, benehmen sich manche G-Fahrer im Moskauer Verkehr wie Rambos. Der Sohn des Vizechefs von Russlands zweitgrösstem Erdölkonzern vollführte jüngst mit seinem Geländewagen riskante Manöver und lieferte sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Alle Insassen kamen mehrere Tage in Haft, das Verfahren läuft noch.

Zum Tross von Präsident Wladimir Putin, der selber in einer Mercedes-Limousine Platz nimmt, gehören immer einige dieser klobigen Fahrzeuge. Sie stammen vom Inlandgeheimdienst FSB. Kürzlich feierten die Absolventen der FSB-Akademie ihren Abschluss mit einem Korso aus rund 30 Geländewagen und blinkten und hupten sich durch Moskau. Veteranen waren schockiert, weil der Spionage-Nachwuchs mit Handy-Filmchen seine Identität dokumentierte und ins Netz stellte. Die Sicherheitsbehörden können nicht so schnell auf deutsche Markenware verzichten. Als Putin unlängst einen brandneuen russischen Militär-Pick-up inspizierte, hielt der General, der ihm die Autotür öffnen wollte, nach einem energischen Ruck nur den Türgriff in der Hand.

Wegen der Rezession hat Mercedes in Russland schon bessere Zeiten erlebt. Die Pkw-Verkäufe lagen im ersten Halbjahr um 17% unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums und entwickelten sich schlechter als der Gesamtmarkt. Aber bei so viel unbezahlter Werbung kann es ja nur noch aufwärtsgehen.