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Stirbt auch dieser „Aufschwung“ den Tod der tausend Schnitte?

von Lukas Sustala / 17.03.2016

Die beiden Wirtschaftsforschungsinstitute WIFO und IHS haben schon schlechtere Nachrichten bereit gehalten. Am Donnerstag haben sie ihre Konjunkturprognose für 2016 und 2017 leicht nach unten korrigiert, um je 0,1 Prozentpunkte. Nach WIFO-Schätzung wird Österreich 2016 und 17 um 1,6 Prozent wachsen, nach IHS-Schätzung um je 1,5 Prozent.

Das klingt vernachlässigbar. 0,1 Prozentpunkte Wachstum mehr oder weniger? Das könnte egal sein.

Es mag vielleicht nicht die Quantität des Wachstums sein, die jetzt leidet. Die Qualität aber sicher. Denn die hohe Wertschöpfung der Exportindustrie wird wegen des geringeren globalen Wachstums deutlich schwächer wachsen, erwarten WIFO/IHS. Lediglich der öffentliche Sektor soll 2016 noch stärker wachsen als zuletzt im Dezember erwartet. Der Grund ist leicht festzumachen: Die anhaltende Flüchtlingskrise führt zu deutlich höheren Staatsausgaben.

Aus der Wohlstandsperspektive heraus bleibt der „Aufschwung“ jedenfalls unterdurchschnittlich. Das liegt nicht zuletzt an der steigenden Bevölkerungszahl. Sie lässt die Arbeitslosigkeit auch bis 2017 weitersteigen. Die nur moderat wachsenden Gehälter müssen zudem auf mehr Köpfe verteilt werden. Pro Kopf steigen die Einkommen real lediglich um 0,1 Prozent in diesem Jahr, netto bleiben dank der Steuerreform aber 2,6 Prozent mehr auf dem Konto. Doch für ein Jahr, in dem die Regierung die „Größte Steuerreform der zweiten Republik“ – nach Eigendefinition – auf den Weg gebracht hat, sind 1,5 oder 1,6 Prozent Wachstum bestenfalls mau.

Zumal die Risiken aktuell groß sind. Das globale Wachstum bleibt hinter den Erwartungen, und die Ökonomen erwarten immer noch ein kräftiges Wachstum der Unternehmen, was – vorsichtig gesagt – optimistisch ist. Wenn die Volkswirte noch mehrere Einschnitte bei der Wachstumsprognose vornehmen müssen, wird wieder über Konjunkturprogramme geredet werden – die sich Herr Schelling kaum leisten kann.