Strafe für die Deutsche Bank: Aus eigener Kraft kaum zu schaffen

von Claudia Aebersold Szalay / 16.09.2016

Juristische Dispute fressen der Deutschen Bank die Gewinne weg. Wie sollen da ohne frisches Kapital die ab 2019 geltenden Kapitalanforderungen erfüllt werden?

Der neue Chef der Deutschen Bank, John Cryan, will kein zusätzliches Kapital am Markt aufnehmen, um die Kapitalbasis der Bank zu stärken. Er will den Eigenmittelanforderungen, die ab 2019 gelten, aus eigener Kraft genügen, also durch einbehaltene Gewinne und eine Redimensionierung der Geschäftsaktivitäten. Der Kurssturz der Deutsche-Bank-Aktie am Freitag nach Bekanntwerden der Milliardenforderung des US-Justizministeriums zeigt, dass die Investoren etliche Zweifel daran haben, dass ihm dies gelingen wird. Diese Zweifel sind berechtigt.

Obwohl angenommen werden kann, dass am Schluss nicht die Maximalforderung von 14 Mrd. $ auf die Bank zukommen wird, wird der Konzern ein weiteres Mal tief in die Tasche greifen müssen, um für juristische Nachwehen aus der Subprime-Ära geradezustehen. Im Nachklang zur Finanzkrise hat die Bank bereits Kosten für Rechtsstreitigkeiten von über 12 Mrd. € schultern müssen. Für noch ausstehende Fälle hat sie 5,5 Mrd. € zur Seite gelegt. Es ist fraglich, ob diese Summe ausreichen wird, um erstens den Hypothekenstreit mit den US-Behörden beizulegen und zweitens auch noch andere hängige Verfahren zu beenden. Eine besondere Drohkulisse stellen in diesem Zusammenhang die Untersuchungen russischer, britischer und amerikanischer Instanzen von Geschäften der Bank in Moskau und London dar.

Die Kosten aus Rechtsstreitigkeiten dürften die Gewinne der Bank auch in den kommenden Quartalen wegfressen. Werden aber keine Gewinne erzielt, wird es zunehmend schwierig, die zusätzlichen Milliarden, die nötig sind, um 2019 die geforderte Kernkapitalquote von 12,25% zu erfüllen, aus eigener Kraft zu erbringen, wie es Cryan vorschwebt. Die Aktionäre der Deutschen Bank müssen in naher Zukunft wohl nicht nur auf eine Dividende verzichten, sondern sich auch auf eine Gewinnverwässerung durch eine Kapitalerhöhung einstellen.