Studie zu Spitzenlöhnen: Schweizer sahnen ab

von Lucie Paska / 20.09.2016

Schweizer Topmanager verdienen am meisten, vergleicht man die Löhne der Chefs der hundert grössten europäischen Firmen. Allerdings gilt auch: je höher die Gesamtvergütung, desto höher der Anteil der variablen Lohnbestandteile.

Die neusten Zahlen der Willis-Towers-Watson-Studie sprechen eine deutliche Sprache. In der Rangliste der hundert grössten europäischen Unternehmenden schwingen die schweizerischen Topmanager lohnmässig klar obenaus. Die zehn Schweizer CEO verdienten 2015 im Median mit 8,77 Mio. € am meisten. Danach folgen die Spanier mit 7,18 Mio. € und die Briten 6,78 Mio. €. 2014 war die Reihenfolge dieselbe. Beim Median liegt die eine Hälfte unter, die andere über dem ermittelten Wert.

In ihrer Studie „CEO pay landscape in the Eurotop 100“ untersucht das Beratungsunternehmen Willis Towers Watson jährlich, welche Gesamtvergütungen die CEO für das vergangene Geschäftsjahr erhalten haben. Diese fielen 2015 mit 5,77 Mio. € im Median um 6% höher aus als im Vorjahr. In der Schweiz betrug der Zuwachs sogar 14,7%. Zu den untersuchten Schweizer Konzernen gehören die ABB, die Credit Suisse, Nestlé, Novartis, Richemont, Roche, die Swatch Group, Swiss Re, Syngenta und die UBS.

Je höher, desto volatiler

„Der Anstieg der Vergütungen in den Top 100 ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Die gute Entwicklung in mehreren Unternehmen hat zu erhöhten Bonuszahlungen geführt und es gab Zuwächse bei den Grundvergütungen sowie bei den langfristigen Anreizen. Ausserdem hat sich die Zusammensetzung in den Eurotop 100 verändert, was sich auf den Median der Gesamtvergütungen ausgewirkt hat,“ hält Olaf Lang von Willis Towers Watson fest.

Die analysierte Gesamtvergütung für ein Jahr setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: dem festen Grundgehalt, dem ausbezahlten Bonus (sofortige und aufgeschobene Zahlungen) sowie der langfristig gewährten variablen Vergütung. Die Studie deckt bezüglich der Zusammensetzung länderspezifische Unterschiede auf. Auffällig ist dabei, dass im Vergleich der Anteil der festen Vergütung in der Schweiz sehr niedrig ist.

In der Regel ist dieser Anteil in den Ländern am niedrigsten, wo absolut die höchsten Vergütungen bezahlt werden. Hohe Gesamtvergütungen bestehen dabei meist zu mindestens zwei Dritteln aus variablen Bestandteilen. Mittlerweile sehen 58% der kurzfristig variablen Vergütungssysteme einen Aufschub der Auszahlung vor, was zu mehr Nachhaltigkeit beiträgt, geben sich die Studienautoren überzeugt.

Grosse Branchenunterschiede

Bei der Höhe der Gesamtvergütungen spielt die Branche eine grosse Rolle. Die Studie zeigt, dass europaweit CEO aus der Pharma- und der Konsumgüterindustrie zu den bestbezahlten gehören. Auch in der Finanzbranche werden im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohe Vergütungen bezahlt, während Geschäftsführer von Technologie- und Telekomunternehmen weit unter dem Durchschnitt liegen.

In jüngerer Zeit haben verschiedene Entwicklungen die Chefsaläre in Europa und auch der Schweiz stark beeinflusst. Dazu gehört die zunehmende Regulierungsdichte, die Abstimmung über Vergütungsmodelle an Hauptversammlungen, Vergütungsobergrenzen und der Fokus auf die Entwicklung des langfristigen Unternehmenswerts.

Der anhaltende Druck auf die Offenlegungspraxis sowie der zunehmende Einfluss der Aktionäre und Aktionärsberater zwingen die Unternehmen, ihre Kompensationsmodelle immer besser auszutarieren und zu kommunizieren, folgert die Studie. Dass hierbei allerdings beträchtlicher Spielraum für Ausweichmanöver besteht, bleibt unerwähnt.