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Walkthrough

Süßes an der Börse, Sparen bei Banken

von Lukas Sustala / 03.11.2015

Das Finanzministerium spart sich die Bankenbeteiligungsholding Fimbag. Das Fusionsfieber erreicht den Gaming-Sektor. Der Volkswagen-Skandal könnte sich ausweiten. Und wie ungerecht ist eigentlich Österreich? Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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„Sparsamkeit“ bei den österreichischen Problembanken. Das Finanzministerium löst die staatliche Bankenbeteiligungsholding Fimbag mit Ex-Notenbankchef Klaus Liebscher an der Spitze per 30. Juni 2016 auf. Das hat der Ministerrat am Dienstag beschlossen. Die Abwicklung der Hypo-Bad-Bank Heta wird die im Finanzministerium angesiedelte Holding ABBAG übernehmen. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) begründete den Schritt in einer Aussendung auch mit dem „Gebot der Sparsamkeit“. Die Fimbag hatte zuletzt laut Jahresabschluss neun Mitarbeiter, der Personalaufwand belief sich 2014 auf 1,24 Mio. Euro. Das fällt zwar angesichts der Milliardenkosten der Heta nicht stark ins Gewicht, kann aber zumindest als ein Anfang der Sparsamkeit gewertet werden.

Fusionsfieber im fortgeschrittenen Stadium. Der Spielekonzern Activision Blizzard, der breiten Öffentlichkeit – und mir – durch Computerspiele wie World of Warcraft, Starcraft, Diablo und Call of Duty bekannt, steigt mit einer Milliardenakquisition ins Mobile Gaming ein. Um 5,9 Milliarden Dollar erwirbt der US-Konzern den in Dublin ansässigen Spieleanbieter King Digital, vor allem bekannt mit dem mobilen Spiel Candy Crush (qz). Damit versucht der mit Konsolen- und PC-Spielen bekannte Konzern, groß in den digitalen Free-to-Play-Markt einzusteigen. Der gesamte Mobile-Gaming-Markt soll laut den Beratern von pwc bis 2019 um 50 Prozent wachsen.

Ungerechtigkeit, untersucht. Kollege Georg Renner hat sich einer kleinen Twitter-Debatte angenommen. Hierzulande sollen sich die Menschen vor allem deswegen so stark von der Politik distanziert haben, weil sich die Unternehmensgewinne von den Einkommen abgekoppelt haben, lautet ein erhobener Vorwurf. Doch dafür gibt es gesamtwirtschaftlich wenig Belege, denn die Bruttobetriebsüberschüsse und Selbstständigeneinkommen haben sich hierzulande ziemlich genau mit den Bruttogehältern entwickelt. Das sagt zwar noch wenig über deren Verteilung aus, aber der Pauschalverdacht – Unternehmen machten in der Krise immer stärker auf Kosten der Arbeitnehmer Gewinne – lässt sich mit Fakten in Österreich nicht belegen.

Arbeitsmarkt, angespannt. Die Wintersaison schlägt von nun an voll auf die Arbeitslosenzahlen durch. Das Plus im Oktober auf 410.854 Arbeitslose (inklusive Schulungen) wird nicht das letzte gewesen sein. Zwei Effekte überlagern sich bis Jänner: 1. die saisonale Beschäftigungslosigkeit in wetterabhängigen Branchen wie dem Bau. 2. das nach wie vor geringe Wachstum. Damit könnte die Arbeitslosigkeit inklusive der Schulungsteilnehmer auf 500.000 steigen (NZZ.at).

Nach Volkswagen auch Porsche? Der Abgas-Skandal beim deutschen Autobauer Volkswagen droht sich auszuweiten. US-Behörden werfen dem Konzern vor, die Manipulation-Software auch bei Premiummarken des Wolfsburger Autobauers verbaut zu haben, neben dem Porsche Cayenne seien auch VW Touareg und Audi-Modelle betroffen worden (Reuters). Die US-Umweltbehörde EPA wirft dem europäischen Branchenprimus vor, auch bei Dieselmotoren mit 3,0 Litern Hubraum getrickst zu haben, was VW zurückweist. Das wäre für den Konzern natürlich besonders heikel, weil der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller deswegen geholt wurde, weil er über eine weiße Weste verfügt. Ein Reuters-Tool zeigt übrigens an, wie sich die Volkswagen-Aktien seit dem Beginn von #Dieselgate entwickelt haben (Reuters). Der aktuelle Stand bei der Aktienwertvernichtung: 23,9 Milliarden Euro Verlust.

Russlands Fluglinien im Fokus. Der Absturz eines Flugzeuges der westsibirischen Fluggesellschaft Kogalymavia in Ägypten hat zu großer Verunsicherung geführt. In Russland sind Kunden besorgt wegen der Sicherheitsstandards, gerade bei kleineren Fluglinien. Tatsächlich ist der russische Markt deutlich stärker fragmentiert als anderswo, was – wie NZZ-Korrespondent Benjamin Triebe analysiert – auch mit dem Erbe der Sowjetrepublik zu tun hat (NZZ.at). „Viele der kleinen Airlines operieren nur innerhalb Russlands und unterliegen keinen westlichen Sicherheitsüberprüfungen. Wie stark das Gefälle in der Branche ist, zeigt die Tatsache, dass Kogalymavia mit ehemals nur neun Maschinen gemessen an den Passagierzahlen bereits zu den zwanzig größten Airlines des Landes gehört.“

Mehr Kapital, weniger Personal. Mit der Schwellenländer-Großbank Standard Chartered macht sich eine weitere Bank daran kräftig einzusparen. Die britische Großbank streicht fast jeden sechsten Arbeitsplatz. Nach einem Abrutschen in die Verlustzone im dritten Quartal kündigte das Geldhaus an, bis 2018 rund 15.000 der zuletzt etwas mehr als 86.000 Stellen abzubauen. Ähnlich wie die Deutsche Bank will der neue Vorstandsvorsitzende Bill Winters das Institut mit einer radikalen Schrumpfkur auf Kurs bringen: So soll die Bank mit einer Kapitalerhöhung von 5,1 Mrd. Dollar auch ihren Kapitalpolster stärken.

Free Lunch – Food for Thought

Wirtschaftsnobelpreisträger Angus Deaton sorgt gerade mit einer Studie für Furore.

Martin Feldstein im Interview: Der Euro hat wirtschaftlich enorm geschadet (FAZ).

Amazon eröffnet erstmals eine physische Bücherei, in Seattle (qz).

Eine kleine Rohstoff-Odyssee. „Als ich versuchte, ein echtes Fass Rohöl zu kaufen“ (Bloomberg).