Teure Kunst und billiges Bankgeheimnis

von Lukas Sustala / 12.05.2015

Neue Rekorde bei Kunstauktionen. Ein rauer Ton zwischen Klagenfurt und Wien nach dem Milliardenurteil gegen die Hypo-Nachfolgerin Heta. Und einer der Väter des Euro ist gestorben. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Kärntens Kalamität. Heute verhandeln Kärntner Landesregierung und das Finanzministerium in Wien erneut über einen Kredit in Höhe von 350 Millionen Euro. Das jüngste Urteil in München, das die Hypo-Nachfolgerin Heta zur Zahlung von mehr als zwei Milliarden Euro verpflichtet, überschattet aber die Verhandlungen, wie wir in unserem Podcast zeigen (NZZ.at). Und wie: Am Montag hat sich Landeshauptmann Peter Kaiser in scharfen Worten die Verzögerung bei der immer dringlicheren Liquiditätsspritze kritisiert, früher habe Wien schließlich „leichtfertig Kredite für Champagnerpartys und andere Auswüchse der bekannten Brot-und-Spiele-Politik gewährt“. Jetzt, wenn es in Kärnten um etwas gehe, werde das Land aber „entmündigt“.

Griechenland kriecht zu einer Einigung. In Brüssel wenig Neues, könnte man zynisch aus der Stellungnahme der Eurogruppe schließen (NZZ.at). Die Forderungen nach mehr Tempo bei konkreten Reformvorschlägen scheinen aber zu verhallen und damit nähert sich Griechenland Schritt für Schritt der Staatspleite (Bloomberg View).

Kapitale Kunstrekorde. Das Bild „Die Frauen von Algier“ von Pablo Picasso erzielte bei einer Auktion von Christie’s 179,3 Millionen Dollar (inkl. Kommission) und geht damit als das teuerste Gemälde in die Geschichtsbücher ein – zumindest ist es das teuerste bei einer Auktion verkaufte (Handelsblatt). Die Auktion am Montag hat aber gleich einen zweiten Rekord gebrochen: den neuen Höchstpreis einer Statue (Der „Zeigende Mann“ von Alberto Giacometti), mit 141,3 Millionen Dollar. Der skeptische Anleger weiß, dass eine immer länger werdende Liste gebrochener Rekorde auf eine Blase hinweist. Auf dem Kunstmarkt ist sie wenigstens schön anzuschauen.

Steuerreform frisst Bankgeheimnis. Die Beschneidung des Bankgeheimnisses war eine der zentralen Säulen der Gegenfinanzierung zur aktuellen Steuerreform, will die Regierung doch rund 1,9 Milliarden Euro durch den Kampf gegen Steuerbetrug einnehmen. Nun dürften aber nicht nur Unternehmen, sondern auch Private stärker als bisher üblich durchleuchtet werden (Der Standard). Ein Kontoregister, auch für Wertpapierdepots, soll der Finanz deutlich bessere Einsichtmöglichkeiten verschaffen.

Die Anleihenblase. Weniger schön anzuschauen sind hingegen Staatsanleihen. Die EZB setzt die letzte Zuflucht der Sparer aufs Spiel, nennt die Welt etwas reißerisch ihre Analyse zum Anleihencrash. Doch wenn es „die letzte Zuflucht“ ist, dem deutschen Staat zum Nullzins für zehn Jahre Geld zu leihen, sollten Anleger ihre Definition von Zuflucht lieber überdenken. Nach wie vor sind die Renditen für lang laufende Staatspapiere historisch niedrig, in Deutschland, Österreich oder auch in Spanien:

Milliardenzahlungen für Billionenmarkt. Mit den Devisenkursen haben Großbanken in den vergangenen Jahren einen Markt von mehreren Billionen Dollar Handelsvolumen pro Tag manipuliert, glauben Aufseher. Bereits am Mittwoch könnte nun eine Einigung auf Zahlungen von insgesamt sechs Milliarden Dollar verkündet werden (FT, Paywall).

Lamfalussy, 1929–2015. Einer der Väter des Euro, der Zentralbanker Alexandre Lamfalussy, ist verstorben. Eines der wenigen lesbaren Porträts inmitten von vielen kurzen Agenturmeldungen zu seinem Tod hat die New York Times verfasst.

Ölsuche gestattet. Shell darf vor Alaska nach Öl bohren (FAZ).