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Randnotiz

The World in Vorarlberg is too small – für diese 11.000-Euro-Pension

Meinung / von Lukas Sustala / 02.08.2016

Es ist wieder passiert. Hubert Gorbach hat einen Brief geschrieben. Dieses Mal wenigstens auf Deutsch. Unverschämt ist er trotzdem.

Hubert Gorbach hat es nicht leicht.

Hilfe- und jobsuchend wandte er sich 2007 an den britischen Schatzkanzler Alistair Darling, denn „The World in Vorarlberg is too small“. Das gilt offenbar auch für sein Beratungsunternehmen, das nicht über die Maßen florieren soll, ein Eindruck, der sich erhärtet, wenn man sich die Homepage von Gorbach Consulting ansieht.

Jetzt will der ehemalige FPÖ-Verkehrsminister und Vizekanzler genau von diesem viel zu kleinen Bundesland eine ziemlich fürstliche Pension bekommen. Die Summe alleine ist schon beachtlich, schließlich geht es um 11.000 Euro. Aber das vergoldete i-Tüpfelchen auf dieser Pension ist, dass er sie rückwirkend als Frühpension beziehen will.

Wer sich ein bisschen mit den Pensionen beschäftigt hat, die so von den Ländern ausgezahlt werden, könnte auf die Idee kommen, dass Gorbach recht bekommen könnte. Schließlich ist auch bei den Landeslehrern die Frühpension der Regel- und nicht der Ausnahmefall. Zwischen 2008 und 2013 haben etwa drei Viertel aller Landeslehrer die „Hacklerregelung“ genutzt, um früher in Pension zu gehen. Im Burgenland ist sogar nur ein einziger (!) Beamter nach dem Erreichen des gesetzlichen Pensionsantrittsalters in den Ruhestand versetzt worden.

Damit liegt Gorbach mit seinem Versuch, frühzeitig mit 57 Jahren in Pension zu gehen, voll im Trend – auch wenn sein Vorhaben, das rückwirkend durchzusetzen, etwas wagemutig erscheint.

Das Privileg der Pension

Doch Hubert „Hubsi“ Gorbach erteilt uns in der aktuellen Pensionsdebatte eine wichtige Lektion. Es hapert noch ganz gehörig, wenn es um das Thema „Harmonisierung“ geht. Hinter dem sperrigen Begriff steckt nicht weniger als das Streichen von alten Privilegien, zu denen der frühere Pensions- oder Ruhestandsantritt genauso gehört wie absurd hohe Bezüge, die ein Vielfaches der ASVG-Höchstpension betragen (3.296,90 € brutto).

Nach wie vor will die Politik keine Antwort auf die Frage geben, wann die „wohl erworbenen Rechte“ des Hubert Gorbach, deren es viele gibt, enden, und wann die wenigen wohl erworbenen Privilegien anfangen, die man eigentlich bekämpfen will. Wobei es die amtierende Staatssekretärin ohnedies mit der „Harmonisierung“, sprich der Bekämpfung von Privilegien, nicht eilig hat.

Und so bleibt dem durchschnittlichen ASVG-Pensionisten nichts anderes übrig, als sich angesichts des Gorbach’schen Versuchs, sich den Lebensfrühabend zu versüßen, an den Kopf zu greifen.

Man kann nur hoffen, dass man es den Hubert Gorbachs bitte nicht zu leicht macht – und dass das Thema Angleichung der vielen Pensionssysteme endlich angegangen wird.


 

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