REUTERS/Ralph Orlowski

Walkthrough

Transatlantische Ratlosigkeit

von Lukas Sustala / 29.08.2016

TTIP ist ziemlich am Ende. Die juristische Aufarbeitung einer OGH-Entscheidung zum Bezug von Sozialleistungen durch EU-Ausländer ist erst am Anfang. Die Zentralbanken tun so, als könnten sie noch loslegen. Und Österreich könnte eine Steuersenkungsdebatte vertragen. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Aus der Traum von TTIP. Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) – das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA – ist nun schon ziemlich offiziell am Ende (NZZ.at). Wenn etwa der deutsche Wirtschaftsminister es für „de facto gescheitert“ erklärt, weil in wesentlichen Verhandlungskapiteln nichts mehr weitergeht, dann mag Sigmar Gabriels Motivation zwar auch innenpolitisch bedingt sein – doch er spricht damit wohl aus, was einige erwartet haben – und was zu einiger Schadenfreude führt.

„Armutszuwanderung“. Sie waren ganz wichtige Konfliktpunkte vor dem Brexit-Referendum: die Sozialleistungen an EU-Ausländer. Die Brexit-Schlacht in Großbritannien ist aber schon geschlagen. In Österreich hat nun der Oberste Gerichtshof Mitte Juli ein wohl ziemlich entscheidendes Urteil verfasst, zu dem Sie hier mehr lesen können (NZZ.at). Es geht um die Ausgleichszulagen für Ausländer, also die „Mindestpensionen“. Der OGH hat nun einen gerichtlichen Riegel vorgeschoben.

Was macht die Fed? Es ist die moderne Kremlinologie. Die Entscheidungen der US-Notenbank Fed vorherzusagen, ist eine Beschäftigung, der viele Analysten und Journalisten weltweit nachgehen. Die US-Zentralbank lässt sich zwar nicht wirklich in die Karten blicken, betont aber stets ihre Handlungsfähigkeit (NZZ.at). Klar ist: Investoren haben das traditionelle Treffen der US-Geldpolitik in Jackson Hole genutzt, um ihre Sicht auf die wichtigste Notenbank der Welt aufzufrischen. Das erste Zwischenergebnis: Offenbar wird mit etwas schneller steigenden Zinsen als bisher gerechnet. Die US-Notenbank hat jedenfalls Argumente für eine baldige Zinserhöhung gewälzt (Reuters).

Der Euro hat gegen den US-Dollar leicht abgewertet ...
Der Euro hat gegen den US-Dollar leicht abgewertet ...
Euro-Dollar-Wechselkurs.
Credits: Factset
Zweijährige US-Zinssätze sind zuletzt während Jackson Hole leicht gestiegen
Zweijährige US-Zinssätze sind zuletzt während Jackson Hole leicht gestiegen
Renditen der zweijährigen US-Staatsanleihen in %.
Credits: Factset

Die Zentralbanken befinden sich jedenfalls auf unbekanntem Terrain: Von der „schönen, neuen Welt“ ist längst die Rede, in der das Unorthodoxe orthodox geworden ist und die aufgeblähten Zentralbankbilanzen nicht mehr abnormal, sondern Usus sind (FT). Gleichzeitig muss man wohl festhalten, der Trend geht jedenfalls zu härteren Drogen (Der Standard).

Mehr zum Thema: Der aktuelle Zustand der Geldpolitik war auch Thema unserer
→ 8 unangenehmen Wahrheiten zu dem geldpolitischen Experiment.

Aus Erfolgen lernen – Flüchtlingsedition. Was funktioniert, und was nicht, wenn es darum geht, Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren? Leopold Stefan hat sich eine vergleichende Studie der Bertelsmann Stiftung angesehen. Tatsächlich sind die Ergebnisse der verschiedenen Länder durchaus unterschiedlich, was nicht zuletzt mit den verschiedenen Motiven der Migranten zu tun hat.

Starker Konsum, schwache Industrie. Das Wirtschaftsforschungsinstitut hat am Montag seine zweite Konjunkturschätzung für das zweite Quartal veröffentlicht. Demnach hat sich insbesondere die exportgetriebene Industrieentwicklung abgeschwächt. Die Steuerreform wirkt hingegen weiter positiv auf den Konsum.

Zwei Länder, zwei Welten. Franz Schellhorn hat sich in seinem Gastkommentar am Wochenende zwei offenbar völlig unterschiedlichen Ländern gewidmet, Deutschland und Österreich (NZZ.at). Beide sind nicht gerade als Steueroasen bekannt. Aber immerhin: Die Steuerlast im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt beträgt in Deutschland ganze fünf Prozentpunkte weniger als in Österreich. Gleichzeitig schafft es die Republik Österreich im Gegensatz zu Deutschland nicht, mit dem Geld auszukommen. Einen Überschuss hat der österreichische Finanzminister noch nicht geschafft – außer man errechnet ihn ein bisschen kreativer (NZZ.at).

EZ ... Eurozone

Inspirationen – Food for Thought

Hilfsgüter erreichen arme Menschen am ehesten und bewirken am meisten, wenn sie nicht „umsonst“ sind. (NZZ.at)

Regulierung vs. Erwartung

Indexfonds: Kleine Gebühren, dickes Ende? (WSJ)

Viel Aufklärung (Marginal Revolution)