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Fahrdienste

Uber wird in China vom Konkurrenten übernommen

von Matthias Müller / 01.08.2016

Für die traditionellen Taxifahrer ist es eine gute Nachricht, für die chinesischen Kunden dagegen eine schlechte. Das China-Geschäft des US-Unternehmens Uber geht im chinesischen Konkurrenten Didi Chuxing auf.

Welche Verfallszeit Dementi haben können, zeigen die Vorkommnisse im chinesischen Markt für die Online-Vermittlung von Fahrdiensten. Das jüngst aufkommende Gerücht, die beiden marktbeherrschenden Anbieter – die Chinesen Didi Chuxing auf der einen und die Amerikaner Uber auf der anderen Seite – wollten zusammengehen, dementierten die Unternehmen umgehend. Wenige Tage später ist es doch so weit: Uber verkauft das China-Geschäft an den Rivalen Didi.

Ruinöser Wettlauf

Es ist die betriebswirtschaftliche Konsequenz eines sich hinziehenden Kampfes um Marktanteile, wobei die lachenden Dritten in diesem Duell bis jetzt die chinesischen Kunden waren. Sie profitierten von der Preiswettbewerb, den sich Didi und Uber lieferten. Der Chef von Uber, Travis Kalanick, hatte vor nicht allzu langer Zeit eingestanden, dass sein Unternehmen in China jährlich einen Verlust von 1 Mrd. $ mache. Finanziert wurde diese Expansion in China durch die Gewinne am US-Markt. China ist aber nur schon wegen der Grösse so bedeutend, dass Uber bei der Expansion keine andere Wahl zu haben schien, als Didi einen Konkurrenzkampf zu liefern.

Hinter dem chinesischen Anbieter, der im Land je nach Zählart einen Marktanteil zwischen 70% und 90% hat – der Rest geht an Uber – stehen ursprünglich die beiden Unternehmen Didi Dache und Kuaidi Dache; Didi Dache wurde vom Internetkonzern Tencent gegründet, Kuaidi Dache vom Konkurrenten Alibaba, an dessen Spitze Jack Ma steht. Die beiden Internet-Riesen halten noch immer Anteile an Didi. Gleiches gilt auch für Apple; die IT-Konzerne hat jüngst 1 Mrd. $ in den chinesischen Online-Vermittler von Fahrdiensten investiert.

Laut der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ soll das gemeinsame Unternehmen mit 35 Mrd. $ bewertet sein. Die Investoren von Uber China, wie etwa Baidu, das chinesische Pendant zur Suchmaschine Google, sollen einen Anteil von 20% am neuen Unternehmen erhalten. Darüber hinaus steigt Didi mit 1 Mrd. $ beim Uber-Mutterkonzern ein. Basis ist laut „Bloomberg“ eine Bewertung des Anbieters Uber von 68 Mrd. $.

Höhere Preise – mehr Qualität

In den chinesischen Markt für die Online-Vermittlung von Fahrdiensten war in der vergangenen Woche Bewegung gekommen. Peking hatte ein Gesetz verabschiedet hat, das am 1. November in Kraft treten soll und klare Vorgaben für Fahrer und Personenwagen festlegt. Eine Erleichterung sieht der Gesetzestext für die Online-Vermittler von Fahrdiensten vor. Sobald sie die Zulassung in einer Provinz erhalten haben, können die Unternehmen in ganz China ihre Dienste anbieten.

Wegen der Ausschaltung des Wettbewerbs zwischen Didi und Uber müssen sich die Kunden auf höhere Preise bei der Online-Vermittlung von Fahrdiensten einstellen. Das neue Unternehmen wird sich bemühen, möglichst schnell in die Gewinnzone zu gelangen. Einen Vorteil haben die Fahrer gegenüber den traditionellen Taxi-Angeboten jedoch unabhängig vom Preis. Deren Personenwagen weisen fast durchweg einen technisch höheren Standard auf und die Fahrer sind oft deutlich freundlicher als die schlecht gelaunten und nach Rauch riechenden traditionellen Taxifahrer.