Bahamas Leaks

UBS und Credit Suisse im Rampenlicht

von Marco Giordani / 22.09.2016

Die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse nutzen die Bahamas als Trust-Standort. Und dies aus durchaus nachvollziehbaren Gründen.

Laut einem Bericht des „Tages-Anzeiger“ haben sich seit 1990 über 175 000 Firmen auf den Bahamas niedergelassen. Glaubt man den Berichten, waren UBS und Credit Suisse (CS) an fast jeder neunten Neugründung beteiligt. Die beiden Schweizer Grossbanken und ihre Tochtergesellschaften sollen je gut 9500 Firmen gegründet haben. Nur auf das Konto der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die eine zentrale Rolle in der Affäre um die Panama Papers spielte, sollen noch mehr Briefkastenfirmen gehen.

Zentraler Trust-Standort

Besonders aktiv waren demnach UBS und CS 2004 und 2005, als das Zins­besteuerungsabkommen mit der EU in Kraft trat. Viele ausländische Bankkunden sollen ihre Vermögenswerte von der Schweiz zu Firmen in Offshore-Zentren transferiert haben, um Steuern auf Zinserträgen zu vermeiden. In diesen Jahren sollen Schweizer Banken für mehr als einen Drittel der Neugründung von Bahamas-Firmen verantwortlich gewesen sein. Zu den weiteren Schweizer Banken, die auf den Bahamas aktiv waren oder immer noch sind, werden neben UBS und CS auch Julius Bär, Pictet oder Lombard Odier gezählt.

Für die UBS sind und bleiben die Bahamas ein zentraler Offshore-Platz. Die Grossbank hat dort ihr Trust-Geschäft gebündelt. Kunden, die beispielsweise ihr Erbe regeln wollen, schliessen mit der Bank einen Vertrag ab, der festhält, welche Nachkommen zum Zug kommen und welche Vermögenswerte ihnen zustehen. Dieser Vertrag wird in einen Trust eingebracht. Dazu nutzt die UBS auf den Bahamas registrierte Gesellschaften. Weil die UBS laut eigenen Angaben diese Trusts nicht mehr über Dritte, etwa über Anwaltskanzleien, errichten lässt, sondern selbst dafür besorgt ist, steht sie nun stärker im Rampenlicht.

Steuerlich konform

Laut weiteren Angaben der Grossbank stellt sie sicher, dass die in Trusts gesammelten Vermögenswerte allen steuerlichen Anforderungen genügen. Sie kenne den Zweck der Trusts und deren wirtschaftlich Berechtigte (Beneficial Owner). Damit sei sie in der Lage, dafür zu sorgen, dass ihre Trust-Kunden ihren steuerlichen Pflichten nachkämen. Diese müssten ihre steuerliche Konformität schriftlich bestätigen. Alles in allem seien die Bahamas ein kostengünstiger, effizienter Standort für Trust. Das sei der Hauptgrund dafür, dass man das Trust-Geschäft auf diesen Standort konzentriere. Offenbar, so muss man annehmen, wiegen die betriebswirtschaftlichen Vorteile schwerer als die mit solchen Standorten verbundenen Reputationsrisiken.

Andere Schweizer Banken, wie beispielsweise Julius Bär, haben sich von den Bahamas zurückgezogen. Die Zürcher Privatbank war dort mit einer Tochtergesellschaft präsent, zu der sie 2005 mit der Übernahme des UBS-Restpostens SBC Wealth Management gekommen war. In der Folge stellte sich laut Angaben der Bank heraus, dass sich das Interesse an Trust-Lösungen in engen Grenzen hielt. Die wenigen Kunden, die sich dafür interessierten, stammten in erster Linie aus dem Fernen Osten. Schon wegen den unterschiedlichen Zeitzonen sei es schwierig gewesen, diese Kunden adäquat zu betreuen. Deshalb habe man die Tochtergesellschaft verkauft.