REUTERS/Heinz-Peter Bader/Files

Randnotiz

Unbequeme Wahrheiten für österreichische Banken

von Lukas Sustala / 11.05.2016

Die Bank Austria hat Zahlen und die Raiffeisenbank International Fusionspläne präsentiert. Das Umfeld bleibt rau, der Staat verdient an den Banken, und die Strukturprobleme bleiben groß.

Zwei Bankengruppen des Landes haben Zahlen vorgelegt, die zeigen, dass es mit den Umstrukturierungen im heimischen Bankensektor noch weitergehen wird. Die Bank Austria hat im ersten Quartal gerade einmal 59 Millionen Euro Gewinn gemacht – im Vergleichsquartal des Vorjahres waren es noch 199 Millionen.

Der neue Vorstandsvorsitzende der Bank Austria, Robert Zadrazil, spricht von einem „Belastungsrekord durch Bankenabgaben und Systemversicherungsbeiträge“, also die Beiträge für Einlagensicherung- und Abwicklungsfonds. Die summierten sich im ersten Quartal immerhin auf 172 Millionen Euro, knapp 69 Mio. mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. Wegen der Änderung des Pensionsrechts verliert die Bank zudem netto zusätzlich 206 Millionen Euro. Die rückwirkende Reform des ASVG, um der Bank Austria den Ausstieg aus ihren Pernsionsverpflichtungen zu verteuern, hat immerhin zu zusätzlichen Rückstellungen in Höhe von 444 Millionen Euro geführt.

Dass es überhaupt einen Gewinn bei der Bank Austria gibt, darf der Bankchef den Osteuropageschäften verdanken. Dort sprudelten die Gewinne im Verhältnis sogar, mit einem Plus von 284 Millionen Euro.

Raiffeisen-Aktie nach Fusionsplänen im Sinkflug
Raiffeisen-Aktie nach Fusionsplänen im Sinkflug
RBI-Aktienkurs in €
Credits: Factset

Anderer Schauplatz: Stadtpark statt Schottentor. An der Spitze des Raiffeisenreiches tut sich auch etwas. Die beiden Spitzeninstitute unter dem Giebelkreuz haben angekündigt, die Fusion einzuleiten. Das war bereits von Analysten und anderen externen Beobachtern erwartet worden. Der Raiffeisensektor stand noch zum Jahresende 2014 an den Finanzmärkten gehörig unter Druck, nachdem Analysten die viergliedrige Struktur des Sektors kritisiert hatten. Nun sollen aber die börsennotierte RBI mit der RZB, die im Eigentum der 8 Raiffeisen-Landeszentralen steht, zusammengehen.

Eine schlankere Struktur mit nur einem Spitzeninstitut könnte natürlich auch zu einer deutlichen Verbesserung der Kostenstruktur führen. An der Börse kam die Fusion aber nicht gut an. Nach wie vor gibt es noch wenig Details zur Art und Weise der Fusion. Zu wenig, wie gerade auch internationale Stimmen meinen. Dafür, dass der Reformbedarf seit langem klar ist, wissen Investoren weiter kaum, wohin die Reise geht.

Fintechs profitieren, der Staat profitiert (noch)

Die Ziele der beiden Banken(-gruppen) sind jedenfalls klar. Sparen, sparen, sparen. Die Herausforderungen für die Geldinstitute bleiben jedenfalls enorm: Das Niedrigzinsumfeld belastet das Hauptgeschäft mit niedrigen Margen. Die Aufsicht verlangt eine bessere Eigenkapitalausstattung und weniger Risiko. Die großen Bankenapparate sind in der digitalen Revolution zunehmend langsame Akteure. Was gut für Konkurrenz von außen (Stichwort: Fintechs) ist, bedeutet für die etablierten Banken weniger Wachstumsaussichten.

Die unbequeme Wahrheit lautet: Für Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter von Universalbanken wird das noch so manche böse Überraschung bereithalten, und der Staat wird sich mit seiner Substanzbesteuerung irgendwann fragen müssen, ob der Name „Stabilitätsabgabe“ noch treffend ist.


Mehr zum Thema:

Weniger Banker machen die Welt noch nicht schlechter