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Erdölmarkt

Und täglich grüßt die Opec

von Gerald Hosp / 22.08.2016

Im Vorfeld eines Treffens schüren Petro-Staaten die Aussicht auf eine Deckelung der Produktion. Das Vorgehen kommt bekannt vor.

Hatten wir das nicht schon einmal? Einige Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) diskutieren derzeit mit anderen Petro-Staaten über eine Stabilisierung des Erdölmarktes, sprich: Sie wollen das Angebot einschränken, um einen höheren Ölpreis zu erhalten. Nur schon die Gespräche über die Gespräche haben die Notiz für die Nordsee-Erdölsorte Brent über die Marke von 50 $ je Fass steigen lassen. Ende September soll es dazu in Algerien zu einem Treffen kommen. Ja, das hatten wir schon einmal.

Verbale Intervention

Im April war bereits ein Versuch, die Förderung von Rohöl auf das Niveau vom Jahresbeginn einzufrieren, gescheitert. Im letzten Moment hatte Saudiarabien, das wichtigste Opec-Mitglied, seine Zustimmung verweigert. Zumindest im Vorfeld des Treffens in Doha war der Ölpreis nach oben geklettert. Ein ähnliches Spiel lässt sich in den vergangenen zwei Jahren seit dem Zerfall der Erdölnotiz vor den Opec-Sitzungen beobachten: Es tauchen vermehrt Meldungen auf, die auf eine Drosselung der Produktion hindeuten, um das Überangebot abzubauen. Der Markt reagiert häufig mit Preissteigerungen. Am Ende kam es nie zu einer Einigung zwischen den Opec-Mitgliedern. Beobachter des Ölmarktes müssen sich ähnlich wie der Protagonist im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ fühlen, der immer wieder ein und denselben Tag erlebt.

Viele Bankanalytiker und Ölexperten gehen davon aus, dass es zu keinem Abkommen in Algerien kommen wird. Die Verhandlungen in Doha waren gescheitert, weil Saudiarabien darauf bestanden hatte, dass sich auch der regionale Konkurrent Iran an die Selbstbeschränkung halten solle. Teheran lehnte dies aber ab, weil Iran nach der teilweisen Aufhebung der internationalen Sanktionen die Rohölexporte stark steigern möchte. An diesem Konflikt hat sich prinzipiell nichts geändert.

Die Erdölpreise sind jüngst dennoch gestiegen. Vor allem die Äußerungen des saudischen Ölministers Khalid al-Falih haben den Notizen Auftrieb verliehen. Al-Falih meinte, Saudiarabien werde handeln, wenn es nötig sei, um das Angebot mit der Nachfrage in Einklang zu bringen. Dies wurde mitunter als ein gesteigertes saudisches Interesse an einem Abkommen zum Einfrieren der Produktionsmenge gedeutet. Auch der Energieminister Russlands, der größte Ölexporteur außerhalb der Opec, sprach von der Möglichkeit einer Einigung. Wie schon im Vorfeld zu Doha zeigte die „verbale Intervention“, wie man sie von Zentralbanken zum Formen und Kneten von Erwartungen kennt, Wirkung.

Wenn aber viele Beobachter von einem Nicht-Ereignis im September ausgehen, stellt sich die Frage, warum der Preis reagiert hat? Am nervösen Markt wird eine Einigung zumindest als möglich erachtet. Laut der Nachrichtenagentur Reuters kam es bei knapp der Hälfte der 117 Opec-Sitzungen seit 1982 zu einer Veränderung der Förderobergrenze. Seit vier Jahren konnte sich die Opec aber nicht mehr zu einem Wechsel der Richtmenge durchringen. Die Aussicht auf weiterhin niedrige Ölpreise für eine längere Zeit als erwartet könnte aber einige Petro-Staaten zum Umdenken bewegen. Der Zerfall des Ölpreises hat die Staatsfinanzen vieler Ölländer, auch von Saudiarabien, Iran und Russland, in die Bredouille gebracht. Zudem nähert sich die iranische Förderung der Menge, die vor der Verschärfung der Sanktionen erreicht worden war. Eine Einigung wäre jedoch vor allem von symbolischer Natur: Weil die größten Ölländer ohnehin an ihrem Förderplafond operieren, würde ein Einfrieren die Mengen nicht schrumpfen lassen.

Geopolitik und Ökonomie

Erdölmärkte sind aufgrund der vielen einfließenden Faktoren wenig vorhersehbar. Dies zeigt auch die Bandbreite an Gegenargumenten: Saudiarabien und Iran sind nicht nur Wettbewerber am Ölmarkt, sondern auch in der Region. Dass nun Russland von Iran aus Luftangriffe in Syrien startet, stößt in Saudiarabien auf wenig Gegenliebe. Zudem ist es schwierig, die Förderbeschränkungen zu überprüfen und durchzusetzen. Ungeklärt ist außerdem, was passiert, wenn die Opec-Mitglieder Nigeria und Libyen wieder mehr produzieren sollten. Das größte Fragezeichen steht aber hinter der Reaktion der amerikanischen Schieferölproduzenten, wenn die Preise für längere Zeit stabil steigen werden. Derzeit sieht man bereits einen Anstieg der Bohrungen in den Vereinigten Staaten. Die Produktionsmenge, die aufgrund der niedrigen Preise zurückgegangen ist, steigt aber nur schleppend.

Die Politik der offenen Erdölhähne Saudiarabiens hat bisher den Erfolg gebracht, dass die Förderung außerhalb der Opec, vor allem in den USA, gefallen ist. Das Wüstenreich dürfte möglicherweise keine Notwendigkeit sehen, die Politik zu ändern, weil viele Beobachter für nächstes Jahr den Wechsel von einem Über- zu einem Unterangebot am Rohölmarkt sehen. Saudiarabien rüstet sich wohl schon dafür, indem es trotz dem Gerede von der Deckelung rekordhohe Fördermengen aufweist. Den Kampf um Marktanteile möchte Riad nicht verlieren. In dieser Konstellation wird es wohl noch länger heißen: Und täglich grüßt die Opec. Solange die Gespräche die erhoffte Wirkung einer Preissteigerung haben, wird die verbale Intervention gepflegt werden. Offenbar soll es im Oktober ein Treffen zwischen Russland und der Opec geben, Ende November erfolgt die planmäßige Sitzung der Öl-organisation. Im Vorfeld der Ereignisse wird es viel zu bereden geben.