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Geldpolitik

US-Notenbank erhöht Zinsen nicht: Beunruhigend mutlos

Meinung / von Peter A. Fischer / 27.07.2016

Die US-Notenbank hat getan, was die meisten von ihr erwartet haben. Damit läuft sie Gefahr, den kurzfristigen Wirkungen zu viel Gewicht einzuräumen. Das sind schlechte Aussichten für die Schweiz.

Dass die US-Notenbank zuwarten und keine Zinserhöhung beschliessen würde, war allgemein angenommen worden. Argumente dafür gibt es immer, etwa Unsicherheit bei den Konjunkturaussichten oder die wegen der tiefen Energiepreise noch geringe Teuerung. Die meisten Marktteilnehmer haben sich längst daran gewöhnt, dass Zentralbanken immer neue Gründe finden, um Zinserhöhungen hinauszuschieben und die Märkte mit noch mehr billigstem Geld zu fluten. Zentralbanker scheinen die einzigen zu sein, die dem Wachstum (und den Börsen) auf die Sprünge helfen können. Welcher Währungshüter will da schon das Risiko eingehen, als derjenige dazustehen, der einen Aufschwung gebremst hat, obwohl die Preise nicht aus dem Ruder gelaufen sind?

Dass die wichtigste Zentralbank der Welt dazu den Mut erneut nicht gefunden hat, obwohl Indikatoren wie die bewährte «Taylor-Regel» längst ein Zinsniveau von um die 2% nahelegen, ist enttäuschend. Die Risiken einer zu starken Fixierung auf die kurze Frist und damit einer zu lange extrem expansiven Geldpolitik sind und bleiben enorm. Das zu billige Geld führt zu überhitzten Vermögenspreisen und Fehlallokationen, und eine anhaltende, hohe Stimulierung des Wachstums ist alles andere als erwiesen. Zudem wirkt Geldpolitik immer mit einer mehrmonatigen Verzögerung. Man sollte deshalb nicht erst dann die Zügel wieder anziehen, wenn der Preisauftrieb schon höher ist als erwünscht. Und nicht zuletzt führt die kurzfristige Wachstumsstimulierung durch ultra-expansive Massnahmen zu einem gefährlichen Wettlauf: Sie wirkt vor allem, indem sie die eigene Währung schwächt, was andere wiederum dazu verleitet, dies ebenfalls zu tun.

Das Zögern des Fed festigt die übersteigerten Erwartungen an die Notenbanken. Es erhöht den Druck auf den Franken und wird «Frankfurt» kaum zum Innehalten bewegen – im Gegenteil. Für die Schweiz ist das sehr beunruhigend.