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Walkthrough

Zwischenstand der Zinswende

von Lukas Sustala / 27.01.2016

Die US-Notenbank belässt den Zinssatz bei 0,25 bis 0,5 Prozent. Seit der jüngsten Zinserhöhung sind Aktienmärkte, Rohstoffpreise und langfristigen Zinsen gefallen. Apple schlägt ein neues Kapitel auf. Und die österreichische Wirtschaftspolitik versucht bei den Pensionen und dem Arbeitsmarkt genau dasselbe. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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US-Notenbank belässt Zinssatz. Nach der Zinswende in den USA hält die Notenbank Fed vorerst still (NZZ.at). Sie entschied am Mittwoch, den Leitzins bei 0,25 bis 0,5 Prozent zu belassen. Die Fed hatte ihn im Dezember erstmals seit 2006 erhöht. Die obersten Notenbanker rund um Fed-Chefin Janet Yellen erklärten nun, dass sie die Entwicklung in der Finanzwelt und das globale Konjunkturumfeld genau beobachten werden. Damit wollen sie die Risiken für den Konjunkturausblick abschätzen. Zugleich strichen sie eine frühere Passage, wonach die Gefahren für den Ausblick ausgeglichen seien. Dies gilt als Signal, dass sie bei weiteren Zinserhöhungen aus Rücksicht auf Märkte und Wirtschaft nichts überstürzen werden.

Ein Blick auf die Wertentwicklung verschiedener Anlageklassen fördert übrigens einiges Interessantes zutage. Zwar hat die US-Notenbank den Leitzins im Dezember erhöht, aber die längerfristigen Zinsen sind seit der Entscheidung gefallen. Die zehnjährigen deutschen Staatsanleihenzinsen sind von 0,67 Prozent auf 0,44 Prozent gefallen. Wichtige Aktienmärkte sind in den vergangenen sechs Wochen gefallen, besonders deutlich in China, aber auch in Österreich (ATX), Deutschland (Dax) oder USA (S&P 500). Was nach Sicherheit aussieht (Gold oder der japanische Yen) hat hingegen aufgewertet.

Erste Ölpreisopfer? Teams des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank sind laut Informationen der Financial Times auf dem Weg nach Aserbaidschan, um einen Notfallkredit zu arrangieren. Es ist die erste Maßnahme, um einen Staat nach dem jüngsten Schock durch den Ölpreiszerfall zu stützen.

Zukunft der Pensionen. Jeder fünfte Euro fließt aktuell in das Pensionssystem (Die Presse). Der Trend der steigenden Ausgaben für das Pensionssystem ist nicht neu, aber er gewinnt dieser Tage besondere Brisanz. Schließlich hat sich die Regierung darauf verständigt, am 29. Februar Reformvorschläge für den wichtigsten Ausgabenposten vorzustellen. Doch eine regelrechte Flut an Presseaussendungen durch verschiedene politische Organisationen der SPÖ lässt Skepsis aufkommen, ob es wirklich zu einer Reform kommen kann.

Arbeitslosigkeit aufgeschlüsselt. Die Arbeitslosigkeit in Österreich war im Jahr 2015 nach Regionen und Bundesländern höchst unterschiedlich verteilt. Zwar hat sich die Lage fast überall verschlechtert. Aber am deutlichsten ist Wien abgesackt, wo die Zahl der Arbeitslosen um fast ein Fünftel gestiegen ist. Das zweitschwächste Bundesland war Kärnten, am besten schnitt Salzburg vor Oberösterreich ex aequo mit Vorarlberg ab. In absoluten Zahlen betrachtet wurden 2015 vom Arbeitsmarktservice (AMS) 354.332 Arbeitslose gemeldet. Mehr als jeder Dritte davon, nämlich 124.685, war in Wien registriert. Die arbeitslosen, aber aktuell nicht jobsuchenden Schulungsteilnehmer sind in den Zahlen nicht erfasst.

Ein neues Kapitel für Apple. Der kalifornische Technologiekonzern erwartet erstmals einen Rückgang beim so wichtigen iPhone-Umsatz (NZZ.at). Das hat die Investoren bereits seit Monaten fest im Griff. Denn das iPhone war bis zuletzt der wesentliche Umsatztreiber.

Was man trotzdem nicht vergessen darf: Apple hat bis zuletzt eine Erfolgsgeschichte ohne Gleichen geschrieben.

Inspirationen – Food for Thought

Österreich ist leider noch lange nicht das Gründerland Nummer 1. (NZZ.at)

Europa driftet auseinander (NZZ.at).

Google vs. Apple.

Kaum Umsatzplus im österreichischen Einzelhandel (Ö1).

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