US-Wirtschaft, Hedgefonds, Bankenregeln: Wo war die Leistung?

von Lukas Sustala / 06.05.2015

Die US-Wirtschaft überrascht negativ, so wie auch die österreichische. Wo woar mei Leistung, darf man bei Hedgefonds fragen und Hypo Alpe Adrias, made in Germany. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

Uncle Sam, how are you? US-Wirtschaftsdaten haben gestern einen kleinen Schock ausgelöst (Handelsblatt). Ein sehr hohes Handelsbilanzdefizit von über 51 Milliarden Dollar im März lässt wohl darauf schließen, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal geschrumpft ist (WSJ). Kein gutes Zeichen von der US-Wirtschaft. Der Euro steht heute bei über 1,12 gegen den Dollar, deutlich stärker als noch im März, als er auf die Parität zusteuerte. Deviseninvestoren scheinen gerade festzustellen, dass ihre gehegten Hoffnungen für einen schnellen US-Aufschwung ein bisschen revidiert werden müssen. Das folgende Chart zeigt, dass der Euro gegen den Dollar auch noch abwertete, als die Konjunkturdaten längst negativ überrascht haben. Hier spielte wohl die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA und QE in der Eurozone eine Rolle. Wenn aber die US-Wirtschaft zu schwach für baldige Zinserhöhungen ist, dann wird wohl auch der Dollar diese relative Schwäche zu spüren bekommen.

Konjunkturelles Frühlingserwachen? Ich empfehle an dieser Stelle einen Blick in die Frühjahrsprognose der EU-Kommission zu werfen. Die jüngste US-Schwäche findet dort noch kaum ihren Niederschlag und könnte vielleicht auch die gestiegenen Wachstumserwartungen in Europa einkassieren. Die EU-Kommission ruft in jedem Fall einen wirtschaftlichen Frühling in der Eurozone aus, der nicht überall geteilt wird. Österreich wird deutlich langsamer wachsen als der Euro-Schnitt und die Wachstumsprognose Griechenlands wurde drastisch gekürzt (NZZ.at).

Stillstandort. Österreich, ein Land für Neugebauers, nicht für Zuckerbergs (Die Presse).

Arithmetik des Anleihencrashes. Bloomberg beziffert den Verlust des Mini-Crashes auf den Anleihenmärkten seit dem Beginn der vergangenen Woche auf 340 Millarden Dollar. Das klingt zunächst einmal nach astronomisch hohen Verlusten und einer neuen Finanzkrise. Aber ein Blick auf eine der Grafiken unseres gestrigen Chartbooks gibt hier noch ein bisschen mehr Perspektive: Die Zinsen sind nach wie vor extrem niedrig und die Anleihenkurse dementsprechend hoch (NZZ.at):

George Soros und die Steuern. Der Hedgefondsmanager George Soros plädiert für höhere Reichensteuern und nutzte selbst milliardenschwere Steuerschlupflöcher, die jetzt geschlossen werden und zu einer Nachzahlung von rund 6,7 Milliarden Dollar führen könnte (SZ).

Wo woar mei Leistung, Hedgefonds-Edition. 11,6 Milliarden Dollar haben die 25 wichtigsten Hedgefondsmanager 2014 verdient (NYTimes). An der Spitze steht Ken Griffin, der Gründer von Citadel hat im Vorjahr 1,3 Milliarden Dollar eingeheimst. Dabei war das Vorjahr für die Hedgefondsinvestoren ein deutlich weniger gutes, denn der durchschnittliche Fonds hat gerade einmal drei Prozent Ertrag geschafft.

Hypo Alpe Adrias in Deutschland? Ein gutes Interview mit dem Bankenkritiker Martin Hellwig, Direktor des Max-Planck-Instituts, der vor den Risiken bei den deutschen Landesbanken warnt (derstandard.at). Er versteht das deutsche Gezeter um die Gläubigerbeteiligung bei der Heta-Abwicklung nicht wirklich und stellt das neue Bankenregelwerk infrage.

China auf der Weltwährungsbühne. Die größte Volkswirtschaft hat China bereits nach bestimmten Berechnungen. Im Juni könnte auch eine wichtige Weiche für die Währung, den Renminbi, gestellt werden. Dann berät nämlich der Internationale Währungsfonds, die chinesische Währung in seinen Korb der Reservewährungen aufzunehmen (FT, Paywall). Wäre Chinas Währung Teil der Sonderziehungsrechte, einer Art künstlicher Währung des IWF, würde der Renminbi im internationalen Kapitalmarktkonzert eine größere Rolle spielen.

Er- oder Ableben? Europäische Lebensversicherer, ein nicht-nachhaltiges Geschäftsmodell (IMF Blog).