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Reflex

Vergleichswerte: Was sind Tech-Firmen tatsächlich wert?

von Krim Delko / 09.08.2016

Zahlreiche Akquisitionen im Technologiesektor haben jüngst ein Licht auf die oft kontroverse Frage der Bewertung von innovativen Technologieunternehmen geworfen. Interessant ist dabei vor allem der Kauf von Linkedin durch Microsoft.

Der Softwareriese aus Redmond zahlt rund 23 Mrd. $ für Linkedin nach Berücksichtigung von dessen Barbeständen. Was die Analytiker jedoch mehr interessiert, sind die sogenannten Multiples wie etwa das Verhältnis vom Unternehmenswert zum Umsatz oder zum operativen Gewinn. Dies sind die Kennzahlen, die im Silicon Valley als Richtwerte für andere, ähnliche Startups benutzt werden.

Insofern wird der Linkedin-Kauf eine Kettenreaktion auslösen, zumal sich viele andere Startups in Zukunft an dieser Latte messen werden. Linkedin soll laut Analytikern heuer 3,7 Mrd. $ Umsatz erwirtschaften und bei einer operativen Marge von 27% rund 1 Mrd. $ Gewinn einbringen. Microsoft zahlt also rund 6,2-mal den erwarteten Umsatz und 23-mal den operativen Gewinn. Das ist weniger, als womit Linkedin noch vor wenigen Jahren von der Wall Street bewertet wurde.

Ein weiterer Meilenstein ist der Kauf von Netsuite durch Oracle. Netsuite bietet Betriebssoftware für Unternehmen an, mit der Finanzen, Inventar, Personal und andere Betriebsfunktionen verwaltet werden können. Speziell an Netsuite ist, dass die Software per Cloud angeboten wird, was die Flexibilität der Kunden massiv erhöht. Oracle lässt sich den Cloud-Pionier rund 8,3-mal den Umsatz kosten. Auch hier dürfte der Einfluss auf andere Firmen angesichts der vielen Cloud-Startups sehr gross sein. Schliesslich hat auch die Fusion von Didi Chuxing und Uber in China im Silicon Valley hohe Wellen geschlagen. Gemäss der Transaktion schliessen sich Uber und Didi in China zu einem 35-Mrd.-$-Unternehmen zusammen, wobei Uber 20% daran besitzen wird.