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Vergraulte Tesla-Kunden: Mit 700 PS vor den Richter

von Rudolf Hermann / 23.09.2016

Rund 100 norwegische Besitzer eines Tesla-Spitzenmodells ziehen vor Gericht. Im Supersportwagen sei nicht drin, was der Prospekt verspreche, beanstanden sie.

Kaum ein europäischer Markt ist für den amerikanischen Elektroauto-Hersteller Tesla erfreulicher als der norwegische. Das nordische Land begünstigt die Elektromobilität steuerlich ganz erheblich, und die reichlich in norwegischen Geldbörsen klimpernden Erdölkronen haben die Kaufkraft zum Erwerb der nicht eben billigen Gefährte geschaffen. Rund 12 000 Kunden haben sich in Norwegen bisher einen Tesla aus dem Showroom abgeholt. In Oslo gehören die Model-S-Luxuskarossen so selbstverständlich zum Strassenbild wie die Autos weit volkstümlicherer Hersteller.

Allerdings wollen die Norweger in ihrem Tesla auch drin haben, was auf der Verpackung draufsteht. Deshalb sind jetzt rund 100 Besitzer des Topmodells S P85D vor Gericht gezogen, wie die norwegische Wirtschaftszeitung „Dagens Naeringsliv“ (DN) zu berichten wusste. Nicht, dass er das Auto kritisieren wolle, sagte Frode Fleten Jacobson, Wortführer der Kläger, es sei toll. Doch sei eine Leistung vorgegaukelt worden, welche die Maschine nicht bringe. Stein des Anstosses ist die Beschleunigung des über 100 000 Fr. teuren Performance-Modells von 0 auf 100 Km/h, die nicht in den versprochenen 3,3 Sekunden bewerkstelligt werden könne, und der Umstand, dass das Auto nicht über 700 PS verfüge, sondern bloss etwa 470 Pferdestärken unter der Motorhaube habe. Er wolle ja nicht kleinlich erscheinen, erklärte Jacobson, doch er und alle anderen, die sich auf den Superwagen gefreut hätten, kämen sich nun etwas betrogen vor. Deshalb verlange man von Tesla entweder eine Aufrüstung, von der man wisse, dass der Hersteller die Technik dafür habe, oder eine finanzielle Abfindung. Man bevorzuge die Aufrüstung.

Tesla verweist zwar auf sowohl eigene als auch unabhängige Tests, die die Richtigkeit der angegebenen technischen Daten bescheinigten. Doch „DN“ berichtete, dass das Unternehmen zu Entschädigungen von umgerechnet je 6000 Fr. an drei Kunden verknurrt worden sei, weil die norwegische Konsumentenschutz-Behörde Diskrepanzen zwischen Prospekt und Realität festgestellt habe. Ganz so sicher kann sich der Autobauer seiner Sache vor dem Richter damit nicht sein.