Verpufft die Schweizer Goldinitiative auf dem Goldmarkt?

von Christof Leisinger / 21.11.2014

Das Schweizer Volk wird am 30. November unter anderem gefragt, ob ihre Notenbank mehr Gold halten soll. Diese Initiative hat bisher aber für weniger Nervosität an den Märkten gesorgt, als manche Meldung vermuten lassen könnte, berichtet Christof Leisinger aus der NZZ-Wirtschaftsredaktion.

Die Ende Monat anstehende Schweizer Volksabstimmung über die Goldinitiative hat an den Finanzmärkten zu zweierlei Konsequenzen geführt. Erstens ist der Kurs des Euro sehr nahe an die von der Schweizerischen Nationalbank gesetzte Untergrenze von Fr. 1.20 gefallen und dort geblieben. Viele Marktteilnehmer vermuten, ihre Handlungsfähigkeit würde bei einer Annahme der Initiative eingeschränkt. Sie spekulieren nach Ansicht von Analytikern weniger darauf, dass die Grenze durchbrochen wird. Aber sie haben zumindest Wetten auf eine Bewegung des Wechselkurses in die andere Richtung und damit auf die Abschwächung des Frankens verringert, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Nervöser Goldmarkt

Zweitens sind Erwartungen aufgekommen, die nach einer möglichen Zustimmung zur Initiative notwendig werdenden Goldkäufe würden den Preis des Edelmetalls beflügeln. Darauf setzen die „Goldbugs“ ihre Hoffnung, nachdem sich Investoren seit September 2009 angesichts boomender Börsen vom gelben Metall verabschiedet haben und der Preis um bis zu 37 Prozent auf zuletzt 1.189 $ je Feinunze gefallen ist. Kurzfristig wollen technisch versierte Marktteilnehmer zwar so etwas wie eine Bodenbildung ausmachen.

Faktisch fließen aber weiterhin Gelder aus Gold-Fonds ab. Die Wetten an den Terminmärkten auf steigende Kurse sind auch nicht sehr ausgeprägt, und eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage in der Schweiz hat Skepsis aufkommen lassen, ob die Goldinitiative angenommen werden wird. Der Goldmarkt ist daraufhin zwar nervös geworden, die zu beobachtenden Preisschwankungen waren jedoch harmloser, als dramatisierende Schlagzeilen in Online-Medien vermuten ließen.

Grundsätzlich werden Argumente, die für einen Bruch der Kursuntergrenze des Frankens zum Euro oder für einen höheren Goldpreis angeführt werden, leicht überschätzt. Verschiedene Analysen zeigen, dass die Schweizerische Nationalbank zumindest kurzfristig genug Instrumente hätte, um ihre Ziele auch im Falle einer Zustimmung zur Goldinitiative zu erreichen. So hätte sie nach Einschätzung von Fachleuten kaum Probleme, Goldbestände aus dem Ausland zu repatriieren oder zuzukaufen, ohne den Markt zu stark zu beeinflussen. Tägliche Käufe von gut einer Tonne würden nur einen Bruchteil des durchschnittlichen Handelsvolumens von etwa 1.500 t ausmachen, wenn sie überhaupt über den offenen Markt und nicht zwischen den Zentralbanken selbst getätigt würden.

Wege aus dem Dilemma

Zudem gebe es Wege, um Goldkäufe in großem Stil zu vermeiden. Die Auslagerung von Werten in einen Staatsfonds gehöre aus politischen Gründen wohl eher nicht dazu, dagegen können man an den Einsatz derivativer Instrumente denken – etwa an Gold-Swaps.

Durch mögliche Goldkäufe entstehende Wechselkurs-, Liquiditäts- und Bilanzrisiken ließen sich durch Interventionen am Devisenmarkt, Wertpapieremissionen und nicht zuletzt auch durch die konservative Verbuchung von Goldbeständen zu möglichst tiefen Preisen senken, heißt es weiter.