Viel Bestürzung und wenig Ruhe nach dem Rubel-Sturz

von Lukas Sustala / 17.12.2014

Der massive Kollaps des russischen Rubels hat auch am Mittwoch noch für Nachwehen gesorgt. Angekündigte Währungsinterventionen des russischen Finanzministeriums haben zwar den Rubel unterstützt und seinen Kurs zeitweise bis zu zwölf Prozent steigen lassen, aber ein kräftiges Zeichen der Entwarnung gibt es am Mittwoch jedenfalls noch nicht. Der Fall des Rubels beträgt seit Monatsbeginn immer noch 19 Prozent. Und der Ölpreis als wichtiges Barometer für die Wirtschaftskraft notiert weiter auf dem niedrigsten Stand seit mehr als fünf Jahren.

Analysten und Investoren versuchen durch die vielen Meldungen und Preisentwicklungen hindurch zu verstehen, was der gefährliche Mix an rekordhohen Währungsbewegungen, Finanzmarkt-Unsicherheit für die russische Wirtschaft und in- wie ausländische Banken und Unternehmen bedeuten wird. Wenn große Unternehmen wie Apple den Verkauf ihrer Produkte einstellen, weil die Währung eines Landes derart stark schwankt, verschärft das noch die Verunsicherung von Konsumenten, die bereits jetzt mit Hamsterkäufen von Importgütern versuchen, der Entwertung ihres Ersparten zu entgehen.

Wer ist außerhalb Russlands betroffen?

Österreich wird dabei immer wieder als ein Land genannt, das direkt unter den Russland-Turbulenzen leiden könnte. Das liegt weniger an der realwirtschaftlichen Verflechtung. Österreichs Exporte an Russland machen 2,8 Prozent der Gesamtausfuhren aus, damit ist das Land der achtwichtigste Handelspartner Österreichs. Wichtiger ist wohl, dass gut 60 Prozent der Energieimporte aus Russland bestritten werden.

Das große Fragezeichen ist aber der Finanzsektor. Denn Österreichs Banken sind relativ zu ihrer Größe besonders stark in Russland engagiert. Die Anleihen-Analysten von Creditsights warnen in einer aktuellen Studie:

In summary, the three largest exposures are at SG, UniCredit and Raiffeisen, but the greatest concern is focused on Raiffeisen ...

Bei den internationalen Großbanken Société Générale und Unicredit (über ihre Tochter Bank Austria) macht das Engagement in Russland relativ zur Bilanzsumme drei bzw. zwei Prozent aus. Bei Raiffeisen sind es aber zehn Prozent. Die Osteuropabank Raiffeisen Bank International hat in den ersten neun Monaten des Jahres gut 350 Millionen Euro Gewinn in Russland gemacht, gut zwei Drittel des gesamten Bankprofits in dem Zeitraum.

Wie gut oder schlecht die Banken vor den jüngsten Turbulenzen geschützt sind, lässt sich aber für die meisten Analysten nur schwer sagen. Das hängt davon ab, ob Kredite in Fremdwährung oder Rubel vergeben wurden, welche Kreditqualität die Schuldner haben, wie lange die Laufzeit und ob die Verzinsung fix oder variabel ist. Raiffeisen hat heute jedenfalls in einer Aussendung erklärt, dass auch 2014 das Ergebnis in Russland „hoch positiv“ sein wird. Doch Einnahmen und Kapital werden von der Rubelabwertung in jedem Fall belastet und bei einzelnen Kunden könnte es eine „Beeinträchtigung“ beim Bedienen von Krediten geben.